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Samstag, 15. November 2008
Schwarzwild weiß Bescheid ...
Als eingefleischter Natur- und Nahrungsmittelgenießer geht uns beim Auslösen eines Büffeloberschenkelknochens eine Daubaner Info nicht aus dem Köpfchen: Dort gucken die Jägersleut’, ob sie weniger Schwarzwild sichten, weil die Wölfe dort im Integrationsprogramm sind. Während wir die Sehnen tranchieren, erinnern wir uns an Begegnungen mit gar nicht illegal in der Region lebenden Sauen und Keilern, also handelsüblichem Schwarzwild. Mal nix für ungut, liebe Wölfe, aber ihr seid keine Bären, weder Knut noch Grizzly. Schwarzwild wird bei eurem Anblick nicht kreideweiß. Aber wir wollen den Daubanern nicht den Spaß am Zählen vermiesen.
Dass unsere Sachsenzelteproduktion nun auch in Gestänge macht, hat uns erfreut. Wir ham nicht nur nix gegen Sachsen und Zelte, erinnern uns aber durch die Info an das Zelt, welches wir im Frühjahr auf der Hauswiese aufstellten. Dort hat Schwarzwild illegal das Gestänge eingeknickt. Wir werden das beobachten, alle Schwarzkittel zählen und mit Büffelknochen eine Spur von Dauban zu uns in den Garten legen: Wölfe zerstören keine Zelte.

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DDR-Fasching ...
Bei Kaltschale und Flecke haben wir zu DDR-Schulzeiten einen urplötzlichen Anfall von Diharroe vorgetäuscht, um die Mittagspause auf dem Klo und nicht im Speisesaal verbringen zu müssen. Daran erinnern wir uns bei der Nachricht, dass die Weißwasseraner das Essen für die Minis etwas sponsern wollen. Die Kinderchen tun uns leid. Haben sie jetzt Hackfleisch zwischen Semmeln, Döner, Pizza, oder nix gegessen, müssen sie nun ESSEN WAS AUF DEN TISCH KOMMT!
Rational finden wir die Sache vernünftig und fordern das für Berufs-, Volkshochschul- und Fahrschüler. Aus Fairnessgründen ist zu erwähnen, dass dieser soziale Meilenstein im Post-Post-Kapitalismus, auf dem Rückweg zu einstigen DDR-Errungenschaften, der umtriebigen Partei Die Linke zuordnen ist. In unserem Fall jedoch auch Gedanken an Kaltschale und Co. Na danke auch!
Nicht von links, sondern aus der bürgerlichen Mitte kommt der Vorschlag, die DDR-Arbeiterformwerkstatt „ESP“ zu reanimieren. Das hat unser Wirtschaftsminister nett gefunden und ESP auf Anregung aus dem Volk mit „Einführung in die sächsische Produktion“ übersetzt. Auch hier tun uns die Schüler leid. Seid bereit! Immer bereit! Hellau!

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Die Welt ist ein Dorf in der Lausitz ...
Hingerissen und hergerissen haben wir nach dieser Zeitungswoche verinnerlicht, dass wir in der Lausitz doch nicht am allerwertesten Hinterteil der Welt leben. Da erkälten sich irgendwo Piepmätze – und bei uns fallen Geflügelschauen aus. Das ist Globalisierung.
Auch nicht regional begrenzt hat es geregnet. Schmuddelwetter, o. k. Einige Schauer, na gut. Aber es hat tagelang dicke Bindfäden geregnet – was an einer sogenannten Großwetterlage gelegen hat. Die hat bei uns Fischzüge erschwert – weil die Teiche nicht leer werden wollten.Blankes Entsetzen stand uns aber ins Gesicht geschrieben, als wir am Steinbachgraben Rietschens flanierten. Da werkeln wir für ein solides Wasserstraßennetz – und dann kommt eine Großwetterlage daher, überspült den Hilfsdamm und flutet die Baustelle. Leider gibt es in Wetterfragen keinen Schuldigen.
Selbst schuld sind wir jedoch in Sachen Radweg zwischen Rietschen und Weißkeißel entlang der B 115. Nun sind die feinen Eichen und ihre Laubbaumkollegen weg. Laut Forstrecht, gibt es dafür Ausgleichsmaßnahmen, also Neupflanzungen. Super, oder? Naja. Wir kennen da einige stattliche Eichen bei Teicha – die nicht mal die ältesten Lausitzer klein und neu gepflanzt kennen, so alt sind die. Unsere Radwegabholzungsaktion ist frühestens in 150 Jahren ausgeglichen. Ob wir dann noch mit Fahrrädern fahren? Ob der Radweg so lange hält?

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Freitag, 5. September 2008
Wehret den Anfängen ...
Die Wehr hats schwer. Das haben wir in dieser Woche eindrücklich erfahren. Nach dem Ärger über zerrammelte Waldwege, die ein Fortkommen behindern, nach dem Hinweis auf altersschwache Technik und dem Fingerzeig auf Betriebe, die ihre Mannen nicht für Einsätze gehen lassen wollen – nun also die Nachwuchsfrage.
Zu DDR-Zeiten haben wir es superspannend gefunden, mit so nem C-Schlauch auf dem Übungsgelände die Zielscheiben wasserzustrahlen. Und was haben wir gestrahlt, wenn es Fettbemmchen in der Pause gegeben hat – mit Grieben und Salz. Und der Ausweis als Junger Brandschutzhelfer war mehr wert in den Schulhofpausen, als so ein doofer Schülerausweis. Der Feuerwehr fehlt der Kultstatus in der Jugend. Aber das lässt sich doch lösen. Gibt es nicht ein Computer-Spiel Fire-Fucker? Kann man das nicht per Brandschutzbedarfsplan bestellen? Erst daddeln, dann löschen! Oder vielleicht ein Ausflug zu MC Donald nach jeder größeren Übung. Oder extra Feuerwehrturnschuhe, um die einen jeder beneidet. Na, denkt mal drüber nach, es brennt schon.
Ein wenig schuldig haben wir uns gefühlt, als der Schilderklau in dieser Woche in die Gänge gekommen ist. Wir hängen ja alle am Niederschlesischen und der Oberlausitz. Aber wir dachten, uns rein schreiberisch klar ausgedrückt zu haben. Kaufen, nicht dieben! So was tut ein guter Niederschlesier oder Oberlausitzer nicht. Zudem wird die Grundplatte der Ortsnamen-Schilder gebraucht. Die Folie ist nur unaktuell, und wird peu á peu ersetzt. Also liebe Heimatfreunde, liebe Freundinnen, fragt im Amt oder Betriebshof nach den alten Ortsfolien, achtet das Gesetz, respektiert die Werte der Gesellschaft – oder malt euch selbst ’n Schild.

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Ideensuche, oder die Iden des März ...
Als wir nachsinnend, aber hochkonzentriert und frisch geduscht mit dem Automobil die Vattenfall-Kraftwerkstürme auf unserer Lieblingsbundesstraße passieren, da passiert es. Durch das Hoppeldihopp der Panzer-Betonstraße wird eine Idee aus dem Hirn geschüttelt. Könnte die Abwärme bei der Kohleverstromung nicht als Erdbodenheizung für einen Sechs-Sterne-Campingplatz genutzt werden? Und dann sind wir auch schon vorbei, blicken auf das Ufer des Bärwalder Sees – und denken: Da ham aber welche was falsch verstanden! Dort liegt Kohle am Strand. Also nicht im übertragenen Sinn, ala Touri- und Campingplatzentwicklung. Sondern echte Kohle. Dann macht uns ein Kurator darauf aufmerksam, dass das Absicht ist – wegen der Transnaturale. Wir aber wissen nun: Ein Kunststudium kommt für uns nicht in frage.
Verkehrshelfer ist aber auch nicht unser Metier. Es ist ja gar nichts Anrüchiges bei der Bezeichnung, aber es geht um Kinder. Die müssen sicher von A nach B. Das erweckt den Eindruck, als ob ein Sack Flöhe gehütet werden will. Dann doch lieber Buchstaben aneinanderreihen. Es gibt da nur 26 Stück und einige Umlaute. Das ist überschaubar.
Unüberschaubar ist eher die Bio-Epidemie. Jetzt gibt es also Karpfen aus naturbelassenen Seen, alle freischwimmend und glücklich. Wir dachten, die Karpfies würden sich in einem Teich, dessen Wasser mit Abwärme vom Kohlekraftwerk geheizt wird, sehr wohl fühlen. Aber die Idee gibt es schon. Mist.

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Samstag, 16. August 2008
Holländer und Kinder für die Lausitz ...
Es gibt Assoziationen, die sind so assi, dass sie ohne die Assimilation mit etwas echt Gutem nicht vermittelbar sind. Als wir erfahren haben, dass es in der Region Überlegungen gibt, die Babyklappe in Krankenhäusern einzuführen, haben wir spontan zugestimmt.
Da Babys – diese noch viel zu kleinen Menschen – gerne und häufig die Klappe aufreißen, um der Welt Unverständliches mitzuteilen, haben wir intensiv über den Sinn dieser Vorrichtung nachgedacht: Jetzt wollen die, dass es an Krankenhäusern quäkt und plärrt. Werden damit gebärfähige Frauen animiert, Kinder zu produzieren – um Mister Demografie (diesem Unhold der Region) ein Schnippchen zu schlagen?
Haben das mit der akustischen Triebsteuerung nicht amerikanische Wissenschaftler herausgefunden? Als wir jedoch lesen mussten, dass es rechtliche Bedenken gegen die große Klappe gibt, waren wir enttäuscht. Dabei reden doch alle davon, dass der Zweck die Mittel heiligt – und das Demografieproblem unser aller ist. Und wir die verdammte Pflicht hätten, nachts – naja, das gehört nicht hierher ...
Wenn schon keine Kinder, dann wenigstens Holländer. Erstens sind die aus dem Gröbsten raus. Zweitens haben die Käse und Blumen – wogegen nix einzuwenden gibt. Und drittens: Wenn ein so ein Holli in Uhyst ein schnieke-pieke-feines Hotelchen aus dem kleinen Schlösschen machen will, soll er!
Dann gibt es Blümchen in Uhyst, Leute kommen vorbei, die so lustig sprechen – und Milchprodukte sind ja gut für den Calziumhaushalt. Eine Frage hätten wir aber: Baut er auch gleich einen Caravan-Camping-Parkplatz? Vielleicht gleich am Bäri-See, das würde den Helden auf dem provisorischen, blumenlosen Platz sicher gefallen – und wäre wohl auch für uns bezahlbar.

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Die wollen nur spielen ...
Mit spitzen Ohren haben wir noch die Stimme Spockys oder von Käpt’n Kirk oder einer anderen fernsehmusealen Kunstfigur im Ohr, die „Energie!“ ruft. Und dann fliegt das Raumschiff wie von der Tarantel gestochen los, Ende gut, alles gut. Kurz haben wir deshalb ein glücklich-schelmisches Lächeln aufgelegt, als uns der Energiegigant Envia M mitteilte, dass er in diesem Jahr 3,8 Millionen Euro für die tollen Ultrahochleistungsstromversorgungsleitungen im Niederschlesischen Oberlausitzkreis aufwendet. Super. Die Info kommt am 8.8. – die Menschen heiraten und haben andere Sorgen. Die Envialeute haben Niederschlesien in den Oberlausitznamen zurückgebracht. Ein großes: Bedank! Weiter so mit NOL. Es wäre auch möglich, nach Altkreis Weißwasser und Niesky zu unterscheiden. Oder vielleicht gleich in einige adlige Parzellen, wie sie hier vor 1871 bestanden haben. Fürstlich egal.
Die Energiemenschen haben uns dann auf eine Idee gebracht – und zwar in einer dieser scheinbaren Arbeitspausen, die natürlich bei den Zeitungsmenschen als kreative und tiefsinnige, geradezu selbstprüfende Tätigkeit verbucht wird: Wo gibt’s denn den NOL noch? Die Dresdner Papiertigerreformer haben uns das Dingens weggenommen, aber es muss doch irgendwo auf dieser Welt noch etwas NOL übrig sein. Denken und gucken – da ist es. Und zwar in Singapur. Dort gibt es eine „Reederei NOL“. Die haben nichts mit statischen Reet-Dächern, sondern mit mobilen Schiffchen zu tun. Das heißt, die machen für uns Werbung auf allen Meeren der Welt – und da sie auch mit der Fliegerei zu tun haben, sind Spocky und Kirk nicht weit. Herrlich!
Gar nicht herrlich sind die vermaledeiten Spritpreise. Unsere Pächties von der Tanke stöhnen, wir auch – und die Brummifahrer sowieso. Es gibt aber Hoffnung. Da die Welt sich aber dreht, sich in der Geschichte alles wiederholt, die heute arm sind, morgen reich werden und Gut und Böse in der Waage bleiben – müssen die Preise ja bald wieder niedrig bei uns sein. In der Zentralafrikanischen Republik kostet der Liter Benzin 0,08 Euro, beim olympischen Dorf in China 0,51. Höchstens noch ein bis zwei Wochen, dann ist die Spritsparwelle bei uns. Alles wird guddi!

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Am Tage-bau-en ...
Als wir uns kettenrauchend den Kettenbagger im Tagebau ansahen, hatten wir das hochemotionale Bedürfnis, einen Baumarkt unseres Vertrauens aufzusuchen. Dort wollten wir ne Kette (extrem weltraumerprobter Spezialstahl) kaufen und uns am Aussichtsturm der Vattenfaller anketten. Die Trebendorfer sollen sich ja überlegen, wo sie wie hinziehen, wenn die Bagger kommen. Aber wir werden einfach ignoriert. Wir wollen jetzt auch abgebaggert werden. So richtig mit weg und umziehen und alles neu machen. Wir dachten da an ein nicht zu prunkvolles Schlösschen, vielleicht mit einem Teich inklusive jährlicher Gießwasserbegünstigungsfüllung und so einer allerhöchstgräflichen Zufahrt mit Kies. Bislang will Vattenfall bei uns nicht baggern – wir suchen deshalb einen Superexperten, der Kohlevorkommen bei uns diagnostiziert. Die Chance ist natürlich gering, denn wir Lausitzer haben wenig Kohle. Kies, Schotter, Asche, Bares, Bimbes, Heu, Knete, Kröten, Mammon, Mäuse, Moneten, Moos, Penunze, Piepen, Pulver, Taler und Zaster haben wir nur ab und an – naja, vielleicht ist bei Schotter, Asche, Heu, Mäusen und Kröten ne Ausnahme zu machen – aber Geld haben wir nicht. Zwar hat sich das mit der Arbeitslosigkeit entspannt, aber mal ehrlich, die 13,2 Prozent in Niesky und die 17,1 in Weißwasser sind doch nicht wirklich gut. Klar freuen wir uns, dass wir unsere neuen Freunde in Görlitz, die sich ja unseren Kreisbewegungen zum 1. August angeschlossen haben, prozentual grün und blau schlagen – die gurken dort bei 20 rum. Aber so richtig gut finden wir dass nicht. 19 Zigaretten später ist die Schachtel leer. Jetzt könnten wir vor Frust heulen, oder in eine Kneipe gehen. Denn das Rauchverbot scheint ja zu kippen – und Kippen gibt's in Kneipen oder bei Fuhrunternehmern mit Kipperlizenz. Doch die Kneiper wollen uns per se keine Kippe anzünden und mit Fuhrunternehmern ist bei den Spritpreisen auch nicht gut zu sprechen. Dann doch lieber Sprit aus der Kneipe und die Sorgen vergessen. Die wachsen derzeit ins unermessliche, seit Donnerstagnacht uns das Niederschlesien gestrichen wurde. Das ist fies – wir brauchen jetzt ne Kippe!

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Warnen, sparen, Kinder machen ...
Alle finden sparen toll – oder tun so. Aus anerzogenem Protestdenken haben wir uns einen Nougatriegel für 3,99 Euro gekauft und gesagt: Nö! Konsum, nicht der Verzicht, rettet die Region. Ja, klar, das Nougat kommt aus dem Westen und der Konzern ist kein deutscher – aber zumindest haben wir das Geld in der Region gelassen. Aber das schlechte Gewissen hat uns als Selbstkasteiung den Gedanken eingegeben: Lass ihn verfallen! Also haben wir den Teuerungsriegel der Sonne ausgesetzt – bis er nicht mehr essbar war. Dadurch mussten wir einen neuen Riegel käuflich erwerben – allerdings etwas billiger. Wieder das Geschäft angekurbelt.
Das ist alles ein billiger Trick, haben sich auch die Sanis im DRK gedacht. Die würden sich nämlich auch nach der Ausschreibung des Rettungsdienstes gerne ab und an einen süßen Riegel leisten, wissen aber nicht, zu welchen Konditionen sie künftig arbeiten werden – oder ob sie sich durch das soziale Netz selbst retten lassen müssen. Das ist bittere Scho(c)kolade.
Dessen ungeachtet, haben unsere Entscheider was für Kinder und ihre schokobeschmierten Münder getan. Der sächsische Bildungsplan sieht nämlich voll die echt krasse alternative Erziehungsschiene vor. Also eher nach dem Motto: Hey Torben, gib dem alten Mann seinen Stock wieder, hilf ihm wieder auf und nimm dir einen Keks. Torben? Na gut, aber sag Dankeschön zu dem Mann ... Ist schon in Ordnung: Werk-, Kunst-, Ruhe- und Selbstfindungsräume für die lieben Kleinen sind gefordert – also kriegen sie die auch. Allerdings könnten sich dadurch einige Kommunen leicht in den Dispo begeben – und die Eltern gleich mit. Denn Erziehung, auch die superalternative, ist teuer. Und die Eltern sollen künftig was drauflegen, damit wir uns mit großen Schritten dem Status Hausmädchen oder Privatlehrer nähern.
Egal. Die Lösung ist nahe: Schoko löst nämlich Glücksgefühle aus und spendet Energie. Die kann ja zum glücklichen Kindermachen eingesetzt werden. Gibt es mehr von den Rackern, werden die Kitas voller und der Einzelpreis geht runter. Wer also heute noch Schoko kauft und die Nacht nutzt, spart.

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Freitag, 20. Juni 2008
Messerscharf eine Grenze ziehen ...
Völlig verschlafen nach einer fast schlaflosen Nacht mit oberfiesen Mücken, die Verdis Nabucco summten, sind wir schweren, obgleich baren Fußes, in die Oststil-Küchenzeile geschlurft und haben beim fahrigen Griff nach der Kaffefiltertütenhalterung das fälschlich auf der Anrichte abgelegte Küchenmesser (groß) übersehen. Es fällt – und bleibt ’nen halben Zentimeter neben dem unbeschuhten Fuß im Dielenbrett stecken. Oh.
Neben der schlagartigen Wachheit – unbeabsichtigt – haben wir dank reger Fantasie die Horrorszene um einen Zentimeter zur großen Zehe hin verlagert. Wir sind uns nun nicht mehr sicher, ob es wirklich klug ist, den Sanis im Kreis zu kündigen. Verwaltungsmäßig ist uns das Prozedere klar – aber was, wenn keiner kommt, um uns den blutenden Zeh mulltechnisch zu bandagieren und heile zu pusten? Während wir „Festgenagelt in der Erde, steht der Fuß durch Stahl gebannt“ trällern, kommen wir zum messerscharfen Schluss: Die Kündigung bezeichnen wir als grenzwertig fürs Sicherheitsgefühl.
Vier Tassen Kaffee später ist uns dann magensauer aufgestoßen, dass in dem beschaulichen Örtchen Ruhlmühle nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen ist. Dort lebt ein netter Westfale. Ein Ur-Ruhlie hat uns jedoch nach dem Beitrag der Adios-NOL-Serie über das feine Kleinod im geografischen Grenzbereich zwischen Idylle und Industriestandort bitterböse darüber informiert, dass ja auch Sachsen und Brandenburger in Ruhlmühle wohnen. Und wir SZies hätten uns nur für den Westfalen und so ein Fahrraddenkmal im Ort eingesetzt. Aber beides ist doch kulturell bereichernd!
Genau diese Bereicherung haben wir uns dann auch vorsorglich als Gedankenstütze hinter die Rechercheunterlagen der Ex-Asylbewerberin Thanh Hong Vo aus Niesky geschrieben – obwohl niemand gemeldet hat, dass es in Niesky auch deutsche Kioskköche gibt. Eine ähnliche Vielfalt-Notiz kommt auch hinter Manfred – wie wir den Mini-Wolf im Biosphärenreservat redaktionsintern getauft haben. Eine weitere sogleich hinter den Namen von Klaus Nicolai, der auch 2008 wieder die Transnaturale am Bärwalder See „rocken“ wird – aber dafür aus Dresden herkommt. Zuletzt ist der Vermerk noch bei Jaroslaw Humenny gelandet. Der polnische Landrat ist zwar aus Niederschlesien, aber man weiß ja nie, wo in den Köpfen die Grenzen verlaufen. Jetzt freuen wir uns auf das Fußball-Halbfinale mit Europäern.

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Das Leben ist ...
Das Allerallerschlimmste ist natürlich die Niederlage unserer Mannschaft. Das ist quasi der Pflichtsatz in jeder Kolumne zur EM-Zeit. Erledigt. Alles wird gut, der Ball ist rund, das Spiel dauert 90 Minuten, und nennen Sie ihren Sohn Waldemar. Der könnte sich dann im Falle eines Falles beim neuen Facharzt in Rothenburg behandeln lassen, denn den gibt es ab September dort. Freude, schöner Halbgötterfunke. Aber auch die Weißwasseraner können nächste Woche mal gucken, wie’n Knochen zersägt, ein Kniegelenk á la Sechs-Millionen-Dollar-Mann (war das nicht ne Fernsehsendung in den 90ern?) eingebaut wird – leider nur am Plastemodell. Plaste sagt man nicht mehr! Nun stehts aber da, und wir setzen noch eins drauf. Die Polen verkaufen Erdbeeren! Na jut, sollnse, sagen die Sparwölfe. Die anderen sehen ihre Schafsfelle davonschwimmen, wegen der Preise. Das geht so weiter, denn die Gentechnik hält hier Einzug, weil Samenflug keine Grenzen kennt. Möge der Bessere gewinnen. Das war jetzt wieder Fußball, wegen der EM und so. Olé!

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Samstag, 31. Mai 2008
Bitte mal nicht so negativ ...
Es gibt zu viele schlechte Nachrichten. Dank der Laktoseallergie lassen wir mal die Milch bei den Bauern versauern. Aber die Nachricht von Gift in Seen gibt uns zu denken. Seicht gestrickte Sachsen haben ihre Buchungen storniert. Sie sind auf den Lockruf eines Skandals hineingefallen, der keiner ist. Denn die Konzentration von Was-auch-immer-die-da-gemessen-haben liegt dermaßen im Mikro-Supermini-Promille-Bereich, dass einfach nüschd von den bewusstseinserweiternden Substanzen zu spüren ist. In einem Selbstversuch haben wir uns die Äuglein am See ausgewaschen, konnten immer noch was sehen, haben also die Kassenbrille theatralisch zerlatscht. Nur hat uns keiner dabei gesehen – was bei der Versicherung vielleicht von Vorteil sein könnte.
Trotzdem haben wir abends geweint, als wir unser müdes Haupt in die grob gewebte Bettwäsche vergruben. Die Welt ist schlecht. Erst am Mittag darauf – vor lauter Ermattung auf der Matte haben wir verschlafen – erlitten wir einen Geistesblitz. Die neue Art der Nachrichtendeutung ist die Verkehrung. Beispiele: Die Arbeitslosenzahlen sind im Mai nicht so stark zurückgegangen wie 2007. In der Verkehrung: Die Joblosenzahlen sind seit 2005 extrem-super-stark zurückgegangen. Die Finanzierungsdebatte um den Kombi-Lohn verhindert das zügige Schaffen neuer Jobs, bedeutet: Wo debattiert wird, gibt es Geld. Oder: Mörserfeuer setzt Lausitz in Brand – ist naturphysiologisch auch als Renaturierung arg verholzter Waldbestände zu deuten. Auch nett: Spielplätze am Stadtrand fallen Vandalen zum Opfer, kann als Aggressionsabbau sozial, materiell und bildungstechnisch benachteiligter Jugendlicher ausgelegt werden. Damit haben wir zugleich das Thema der nächsten Woche abgehandelt: Wahlen und Versprechen. Der Versprecher: Ich bin ein Berliner. Richtig: Ich bin ein Lausitzer.

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Ihr Kinderlein ...
Dafür, dass die kleinen Racker angeblich immer weniger werden – wie der Herr Demografie immer betont – wird ganz schön viel Gewese um sie betrieben. Da erfahren wir, dass die Kitas länger geöffnet sein sollten, um die Entwöhnung der Kinder von ihren Eltern voranzutreiben. Wäre es nicht einfacher, den Eltern so viel zu zahlen, dass sie eher nach Hause können? Zugleich ist zu konstatieren, viele Minis nehmen eine birnenförmige Gestalt an und können nur noch Bits und Bytes händeln – aber keinen Ball. Trotzdem wird in dem schnuckeligen „Horke“ ein Bolzplatz für Extra-Kohle gebaut.
Da erinnern wir uns doch mit einem schelmischen Augenzwinkern an die längst verdrängte Kindheit im wilden Osten – und sagen mit fester Stimme: Fordern fetzt, aber mit weniger gehts auch. Wir haben als Racker selbst Bolzplätze gebaut – aber die heutigen Kinder können keine zwei Stöcke als Tor mehr in die Lausitzer Heimaterde kloppen. Oder unsere einstige Rasselbande ist über den Zaun vom Sportplatz geklettert – und hat gespielt, bis der Wach-Hausmeister-Boss uns verjagt hat (was recht amüsant war). Auch müssen wir vorsichtig anmerken, dass wir unsere Eltern natürlich immer hoch geachtet und gerne gehabt haben. Aber wenn in der Kita, im Hort oder nach der Schul-AG keiner von den Erziehungsberechtigten zu Hause war, haben wir nicht heulend am Robotron KC 85 gesessen – da konnten uns die Großmenschen eben mal gerne haben. Wir sind in die Pampa abgerauscht, haben Wasserflöhe gefangen, Buden gebaut und Cowboy und Indianer gespielt. Die Indianer waren oft die dicken Kinder – warum, weiß keiner – aber die hatten auch Spaß... und sind heute zum Teil durchtrainierte Muskelprotze. Ach ja, an die Demografie haben wir keinen Gedanken verschwendet. Zumindest das eint die Kinder über Generationen. Kurzum: Das wächst sich alles noch aus.

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Samstag, 17. Mai 2008
Jazzen und jucken ...
Im Supermarkt ahnen wir eine Katastrophe auf uns zuschweben. Da rennen Grillwaren einkaufende Oberlausitzer wie angestochen rum – und sehen wie Streuselkuchen aus. Ein Feuerwerk der Neuronenaktivität im Hirn bringt uns zu dem untrüglich trüben Schluss: Das Wasser ist schlecht, die Welt verpickelt. Die nächsten Tage werden Schlagzeilen im Zeitungsblätterwald auftauchen: Blaualgen im Badesee. Oder: Gift in der Neiße führt zu Fischsterben und Akne.
Ein Juckreiz am linken Unterschenkel, der sich selbst mit autogenem Training nicht ignorieren lässt, klärt uns auf: Die Schlagzeilen werden wohl eher von einer unheimlichen und von Marsmänneln eingeschleppten Mückenplage künden. Das jüngste Gericht ist gekommen, in Form kleiner putziger Flugwunderwesen mit Stechsaugrüssel und tongenerierenden Flügelbewegungen: Mini-Musiker!
Aber nach dem sofortigen Blättern in den Blättern uralter Weisheitenaufzeichnungen wissen wir: Grillen hilft. Einmal durch das Feuerchen, dem mit Bierdraufrumgesprühe nette Rauchwölkchen entlockt werden. Aber auch Marinade wirkt – von innen: Gut gewürzt, schmeckt Mücken schlecht, hat schon Oma Erna gesagt. Lange Zeit ahnten wir nicht, wie recht sie damit haben könnte. Und dann gibt es ja noch Alkohol – zur innerlichen und äußerlichen Anwendung. Besoffene Mücken könnten der Partyspaß des Sommers werden.
Auch gegen die infamen Geräusche, ähnlich einer gedrosselten Kreissäge, gibt es Gegenmittel. So jazzen die Pücklerfreunde in ihrem Park, dass den Mückies die Facettenaugen verbeult werden. Auch die Ur-Rocker The Lords kommen bald in die Region. Die spielen ja sicher wieder Poor Boy – was nix weiter als armer Junge heißt. Und laut Erna ist das mit den Mücken, wie mit den Läusen: Bei armen Leuten treten sie nicht in Aktion. Denn Mücken sind, sagt unsere Ausgabe des Meyerschen Tierlexikons: Die Robin Hoods der Lüfte. Sie nehmens nur von Reichen, Parfümierten, Gelackmeierten. Tipp: Lassen Sie sich von wohlhabenden Leuten zum Grillen einladen, nehmen sie nur Chili-Steaks und versuchen sie alkoholtechnisch einen gewissen Pegel zu halten. Es soll ja ein trockener Sommer werden.

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In jedem steckt ein Nostradamus ...
Hier etwas Nostalgie – die wo nie fehl am Platze sein tut. Da noch ein bissl radwuchten – weil doch der Winter rum ist. Und zudem mit amusischer Selbstüberwindung – weil am Wochenende die Ateliers offen sind – haben wir in dieser Woche registrierkassengleich bilanziert: Wir Oberlausitzer sind alle Nostradamus. Immer haben wir gesagt, uns scheint nicht die Sonne aus dem Allerwertesten, aber auf den Oberkopf, weshalb die Solaranlage auf dem Flugplatz Rothenburg nur die logische Konsequenz ist. Nu ham wirs, das Dingens kommt.
Die Vorhersagen enden damit nicht. Da wir kein Geld, aber immer Hunger haben, finden wir den heroischen Einwurf unserer Links-Außen-Spieler mit dem kostenlosen Mittagessen für unseren Nachwuchs nicht umsonst, sonder irgendwie sättigend. Aber wir ahnen da auch was. Denn sofort bruzzeln bei uns die Neuronen: Gilt das auch für Umschüler, Weiterzubildende, Spätabiturienten, Berufsschüler, Azubis, Fortgebildete (die hier bleiben) oder Mitglieder einer Seniorenakademie und Fernstudenten?
Wer bildungshungrig ist, kann auch umsonst, äh kostenlos essen? Wäre toll. Echt. Und im Sinne der sozialen Gerechtigkeit müssen wir sagen: Da wir uns jeden Tag belehren lassen – also unser ganzes Leben lang lernen – können wir auch kostenlos mitessen? Wenn dem so is(s)t, würden wir auf der nächsten Klausurtagungen mit unserem Magen die Aktion gutheißen. Allerdings: Aus einer Weiterbildungsbroschüre nordamerikanischer Wissenschaftler haben wir uns kürzlich vorlesen lassen, dass viele Unerwachsene zu dick sind. Wenn die jetzt alle für lau futtern, wagen wir nostradamusmäßig zu prophezeien: Das fette Ende kommt noch.

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Zaubersee und Herren-Po ...
Gaaaanz dolle heimlich haben wir die rechte große Zehe in den Bärwalder See getaucht. Dann die linke, um in den Zeiten des Wahlkampfes, der Maikundgebungen und der Veranstaltungen für Menschen, die Rechtsausleger sind, einen Ausgleich der Extreme zu schaffen. Ein erhebendes Gefühl – weil es verboten ist.
Noch gilt das Bergbaurecht am Bäri – und die Schilder untersagen uns an vielen Stellen auch nur daran zu denken, unseren Lieblingssee badend in Besitz zu nehmen. Aber da niemand zu sehen war, der uns einen Platzverweis aussprechen konnte, haben wir halt mal den Renegaten, den jungen-alten Wilden, den wagemutigen Freibeuter in uns rausgelassen. Aber eigentlich sind wir wegen einer neuen Internetpräsenz vorbeigekommen, die gar Wunderliches erzählt: „Auch für andere Freizeitaktivitäten – zum Beispiel Inlineskaten, Wandern und Radeln – bietet der nach seiner vollständigen Flutung größte See Sachsens vielfältige Möglichkeiten.“ Grandios. Fantastisch. Was für eine Attraktion. Dschieses rufen in solchen Fällen die englischsprachigen Mystiker. Und wir wollten deshalb die tollen Leute sehen, die auf nem See wandern, mit acht Rollen drüberflitzen oder sogar Rad fahren. Das ist wie Himmelfahrt und Weihnachten an einem Tag. Dschieses halt. Aber nix. Kein Radler auf dem See, nur am Rand lang haben einige Sportfreunde in die Pedalen getreten. Da sind wir auch wieder gefahren, vielleicht zeigen sich die Künstler nicht jedem.
Es gab ja auch andere magische Momente in dieser Woche: Und die Regionalies, also wir alle, haben dafür wieder martialisch das wehrhafte Völkchen raushängen lassen. Den übelsten Inquisitatoren gleich, haben wir den Hexen Feuer unter dem Allerwertesten gemacht. Kurzum, der Sieg war unser, der Winter ist Geschichte. Alles wird gut.
Wie gut alles werden könnte, haben uns die Gewerkschafter erzählt – und wenn man denen nicht zuhört, sondern nur zusieht, überfällt einen folgende Einsicht: Alles gut und schön, aber einem bodenständigen Gewerke gehen die alle nicht nach. Die reden viel. Lass‘ mer se machen. Wir gehn ins Wochenende und zum Supersee. Gucken.
@ www.wsv-baerwalder-see.de

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Dienstag, 29. April 2008
Verlixte Sieben auf einen Streich ...
Leider können wir nur mit aufwändigen Kulissen das Märchen von den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen nachspielen – weil wir ja die Brüder der Flachlandtiroler sind. Nur eben ohne Tirol. Deshalb begrüßen wir mit einem Tschingdarassabum die sieben Landratskandidaten, die gar nicht klein sind, aber mindestens sieben Problemberge zu besteigen haben.
Da wäre die Arbeitslosigkeit oder zumindest der damit einhergehende Geldmangel. Auch das Wetter ist unzuverlässig. Gesundheitlich wollen wir alle besser dastehen, weil wir dann die Krankenkassenbeiträge einsparen könnten. Geliebt werden wollen wir natürlich auch – was zwar kein viertes Problem, aber immer ein guter Wunsch ist. Fünf und Sechs möchten wir mit Ernährung zusammenfassen, weil gute zu viel kostet und billige zu gut schmeckt. Das letzte Problem ist die Politik. Zumindest daran dürften – Wahlprogramm hin oder her – die Landratskandidaten parteiübergreifend scheitern.
Es bleibt also bei sieben Weltwundern, sieben Erzengeln, sieben Tagen einer Woche und sieben ganz-dolle-bösen Sünden, die aber auch Spaß machen. Spaß haben wir sicher auch mit unseren sieben Kandidaten, wenn wir sie Aug’ in Aug’ in den nächsten Wochen auf Plätzen, von Balkonen und vor Holzkohlegrills sehen. Es gibt ja auch sieben Himmelskörper mit bloßem Auge zu sehen, erinnern wir uns an den Astronomieunterricht, der vielleicht absichtlich in Vergessenheit geriet. Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn sind das. Egal – aber das sollte uns zu denken geben. Passiert mit dieser Siebenhäufung was Tolles?
Toll finden wir unsere Polizeier. Die haben ne Statistik, wonach es im Vergleich zu 2003 im vergangenen Jahr gut 1 000 weniger Kfz-Straftaten in der Region gegeben hat. Bevor wir kirschkernweitspuckend, auf dem Boden wälzend, in sprudelnde Dankesreden ausbrechen, soll angemerkt werden: Es geht uns auch immer schlechter und wir haben hier einfach nicht mehr so viele Autos. Dass wir nicht weniger kriminell sind, zeigt die Statistik nämlich auch: 2003 hat es 1123 Straftaten gegeben – und 2007 auch. Und was ist die Quersumme dieser Zahl? Na klar: Sieben.

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Immer schön fies bleiben ...
Was jetzt kommt, ist gar nicht nett. Entschuldigung. Ehrlich! Aber ihr habt was verpasst. Ganz oben auf dem Q-Block von den Wasserfaller-Leuten, da ist es schön. Aber nur die Journaille und so ein paar „Vips“ – wie kürzlich unsere „sehr wichtige Person“, der Umwelt-Superstaatsminister-Professor Dingsda, durften an diesem schönen Vorfrühlingstag da mit hoch. Das ist gemein gegenüber dem gemeinen Volk. Und um dem Ärger-Affen weiter Zucker zu geben: die Vatties haben eine Kamera da oben, die sich die Welt in aller Ruhe surrend anschaut - auch euch. Es gibt laminierte Karten, wie sonst auf sichtbehindernden Felsvorsprüngen in der Touri-Sachsen-Schweiz. Und ’ne Heizung gibt's – für Außen! Gut, das ist irgendwelche Abwärme vom Kraftwerk, aber es heizt. Und der Blick – Wahnsinn. Mit 100 Prozent Sehkraft wäre sicher der Berliner Fernsehturm zu sehen. Aber unten lodert eben die Hölle-Q und verdammt viel Elektrizität. Jedenfalls haben die Vattenfaller begonnen, den Aussichtsturm an Weißwassers Rand aufzustellen. Das ist ja so süß, dass man die Konzernies gern haben will. Ähnliche Gefühle hegen wir auch für unseren Landkreis. Zwar ist da noch dieses Stechen im Hinterkopf, weil doch der Schlesische Anteil mit der Kreisgebietsreform aus dem Namen plumpst, aber es tut gut, ordentlich Tschüssi zu sagen. Und wir haben in der Serie, Teil I, mit Begeisterung registriert, dass ein Teil des Berzdorfer Sees uns gehört. Naja, noch. Die Abschiedsserie wird uns weiter die Augen für Besonderheiten öffnen – die dann aber auch alle aus NOL-Sicht futsch sind. Das ist fies. Noch fieser ist das Förderprogramm, welches unsere Azubis und Azubinen ins Ausland schickt. Ist nett gemeint, aber was, wenn die nicht zurückkommen? Und was, wenn die sich dort vermehren? Nüscht gegen Weiterbildung, aber wenn unsere Hoffnungsträger rausfinden, dass in anderen Ländern frei zugängliche Berge als Aussichtspunkt fungieren, machen die nicht mal mehr Urlaub hier. Wir brauchen mehr Aussichtstürme!

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Stellen Sie sich bitte freiwillig ...
Es gibt ja einige Redewendungen, Idiome oder Begriffe, die nur geflüstert und lieber nicht geschrieben werden. Fangen wir mal an: „Halbgötter in Weiß“. Schick, nich wahr? Aber die hier angesprochenen Ärzte finden das gar nicht lustig, weil sie eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Wissenschaft und Hokuspokus treffen. Aber die Beschwerden dürften sich in Grenzen halten, weil es ja in der Region zu wenige Ärzte gibt. Dadurch haben die verbleibenden Weißkittel (nicht mit den Schwarzkitteln zu verwechseln) natürlich so viel zu tun, dass es ungesund wird. Da werden wohl auch die Rothenburger Werbeversuche, die Orosz-Ösis-Initiative und Anbändelungen mit polnischen Ärzten nicht das „Gelbe vom Ei“ sein. Da wir uns gerade im Idiom-Karussell befinden: Der Wasserstand bei Schleife und Trebendorf steigt. Mooooment, die Zeitungsfuzzis (auch so ein Begriff, den mancher Zunftskollege gar nicht verknusen kann) schreiben doch immer, der Grundwasserspiegel sinkt, ob der geringfügigen Aushubarbeiten, um Kohleflöz zu Briketts oder Strom verarbeiten zu können? Ja, iss auch so, aber eben nicht dort, haben wir haareraufend erfahren. Deshalb ist jetzt eine Truppe Erbsenzähler (hier sinnbildlich für Messingenieure) dahin geschickt worden, damit die mal ganz genau gucken, ob der Anstieg echt ist oder vielleicht nur die Kohle von unten das Wasser hochdrückt. Einen Schlenker haben wir noch zum Wochenthema Polizei. Die hat ja auf unserem TÜPi (nicht mit dem indianischen Tipi zu verwechseln, obwohl die Armeeer auch ab und an draußen im Zelt pennen) und in der Polizeifachhochschule Rothenburg (die Studenten dort gehen übrigens Freitag ab 13 Uhr nach Hause) also sowas von Offenheit bewiesen, dass der Kolumnenschreiber fast nicht in der Lage ist, folgende Zuschreibungen in die ewigen Weiten der Druckerei zu schicken. Was soll’s: „Auge des Gesetzes“, „Freund und Helfer“, „Schupo“, „Polente“. Zu harmlos? Gut, gut: „Senfhosen“, „Bewegungsmelder“ „Streifenhörnchen“ „Schildkröten“. So, liebe Polizeier. Wer schreibt, muss mit den Konsequenzen leben – meine Autonummer: NOL-OO 30. Viel Spaß!

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Sommer auf dem Hitzfeld ...
Zwei Tage über zehn Grad Celsius – und wir haben gleich den stoffbespannten Liegestuhl auf die zugegebenermaßen noch graugrüne Wiese gestellt, uns hingepflanzt und an die anstehenden Pflanzarbeiten gedacht. Diesmal sind wir garantiert die ersten Sonnenanbeter – denn während die ozonstrahlenverwöhnten Pfälzer im Westen diesmal mit frischen Winden aus Frankreich zu kämpfen haben, sind wir voller Frühlingsgefühle. Natürlich nur, bis uns ein Hagelkorn, vom Ausmaß einer Walnuss (Letztere erinnert uns an den Baum des Jahres) auf unserem Lausitzer Dickschädel (in der Sparausgabe) zerschlägt. Das ist ganz klar ein Zeichen: Und das signalisiert uns in gedanklichem Quietschorange, dass wir aufpassen müssen. Und zwar auf uns und unser Wild. Das hat es nämlich gar nicht leicht. Erst haben wir die ganzen Isegrims aufgepäppelt, bis sie alleine jagen konnten – was uns die Jägersleute, hallali-horrido, echt übel genommen haben. Dann müssen wir erfahren, dass wir Oberlausitzer die beste Quote haben, wenn es darum geht, mit nicht jagdrechtlich registrierten Waffen Wild zu erlegen. Der Großteil von uns erledigt das mit dem selbst geleasten Pkw. Da jede Statistik lügt, haben wir in diese Beschuldigungen eingeworfen, dass der Bundesvergleich in dieser Sache für uns NOLer deshalb so mies ausfällt, weil wir eben mehr Wild haben als die anderen. Aber das wollen unsere Jäger wiederum nicht gelten lassen. Jedenfalls sitzen wir zwischen Stamm und Borke (schon wieder Walnuss) oder allen Stühlen, und schauen blöde aus dem Fenster (erwähnten wir, dass nach dem Stühlerücken bei Nickelfenster die guten Stücke nun auch in den Emiraten beliebt sind – schön, schön). Und dann erfahren wir auch noch, dass der Bärwalder See in eine Kontrolle gekommen ist. Ja er ist bald voll – also fast Oberkante Unterlippe. Und alle sind stolz auf diesen süßen, kleinen schnuckeligen See. Weil wir ja dann dort ein Schwimmchen in diesem Jahr angehen können. Und im nächsten Winter können die Füchse darauf trainieren. Die haben nämlich verloren. Wie ist das eigentlich mit den Eiszeiten in der Halle? Sind da nun die Vorrechte weg. Das wird ein hitziger Sommer.

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Dienstag, 1. April 2008
Die Zeitschiene ...
Der Oberlausitzer steht ja kurz nach den Gockeln auf – nur am Wochenende kann das „kurz“ dann einige Stunden dauern. Und weil wir zudem gesetzesfürchtig sind, liegt unter jedem Kopfkissen neben einem „Religionsratgeber“, einer „Anleitung im Falle eines Vulkanausbruchs“, den „Offenbarungen eines Ossis“ und den handschriftlichen „Mehlsupperezepten von Omi“ auch die Bundesverordnung zur Zeitumstellung vom 12.07.2001. Dort ist in unverrückbare Juristenformeln gepresst, was sich ein paar lustige Öko-Turnschuh-Bart-Träger um 1973 zur Ölkrise ausgedacht haben: In den Iden des März wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Da kommen wir also vom Suppeausschenken in der Wohlfahrt, Joggen und Bahnschwellensägen vor dem Frühstück zurück – und es ist schon sechs Uhr morgens. Eine Stunde weg, und nur wegen der Ölkrise. Wie wäre es mit weniger fahren und mehr schlafen? Oder weniger Gesetze und mehr Gestehe? Naja.
Stramm gestanden haben wir jedenfalls, als uns die Muskauerianer erzählt haben, dass die nicht nur Pückler-, Unesco-Welterbepark, Heilmittel, Kurort, Kleinod und Neißestadt sein wollen, sondern auch Geopark. Klingt wie ne Schulstunde, ist aber ganz dolle wichtig. Je mehr Titel, desto mehr Gäste. Mehr Gäste, sind mehr Kohle. Mehr Kohle ist mehr Energie – womit wir wieder bei der verflixten Zeitumstellung sind. Angenommen wir richten uns danach – vielleicht, weil der Arbeitgeber sonst das Licht wegen permanenten Sommerzuspätkommens ausknipst – aber wie ist diese wohlfeile Ökoidee eigentlich mit unserem innerlichen Minister zu vereinbaren? Der will uns ja dauerhaft heimleuchten, also die ganze Nacht, mit allen Birnen an den Laternen, die wir haben. Und selbst wenn wir dafür Ökostrom nehmen – das bringt uns nicht in den grünen Bereich. Egal. Gute Nacht!

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Au-Wacke und die Steine ...
Wir wollten uns nicht beschweren, ehrlich nicht. Und schon gar nicht bei Petrus. Doch geschlossen, einig, breitbrüstig müssen wir nun kundtun: Hey, was in aller Welt soll das? So ein unglaublich bescheidenes Zeitgefühl gibt es doch nicht. 365 Tage stehen für vier Jahreszeiten zur Verfügung. An etwa 20 Tagen ist etwas nettes Wetter wichtig. Zum Beispiel beim Saisonauftakt der Kleinbahnen in der Region. Und was sehen wir vom regenbetropften Redaktionsstübchenfenster aus? Ein drei Grad Celsius anzeigendes Außenthermometer, Baumkronen, die sich im Wind schütteln. Klar, Petrus, du bist der Torwächter und nicht alleine für das Wetter zuständig. Aber hättest du nicht mal was sagen können, als irgendjemand die Schleusen geöffnet und den Vorfrühling in die falsche Richtung geschickt hat? Wäre da nicht Lokalpatriotismus für die Stimmung gut gewesen?
Ach ja patriotisch, so hat die vergangene Woche aufgehört. Deshalb wollte diese Woche jeder mal was dazu sagen. Dabei sind die Fakten schnell erzählt: 150 Mal Hoffnungslosigkeit in Horka. 150 von denen, die trotz kurzgeschnittener Haare ohne Erkältung durchs Leben kommen wollen. 150 Mal Schnürstiefel, falls ein altes Mütterchen über einen schlammigen Weg getragen werden muss. 150 Mal Erwartungen an ganz revoluzzermäßig böse Musi zwischen tümelnder Schalmei und elektronischem Zupfkörper. Und dann kommt die Polizei – und nischd ist. Keine Musi, kein böse tun, kein Gemeinschaftsgefühl. Aber das Wetter war gut.
Das dachten sich zu Wochenanfang auch die Kleingärtner, radelten in ihre Sparte, schlossen ihr Büdchen auf – und dann schreibt die SZ: hey, Vorsicht mit Gartenarbeit. Es wird kalt. Und nun haben wir also den Salat aus dem Supermarkt, weil es für den eigenen Gemüsegarten zu kalt ist. Also besser nicht umgraben – und schon gar nicht buddeln. Das gilt insbesondere für den Raum Gebelzig. Dort soll geheimnisvolle Grauwacke liegen. Was wie ein Standort für Atommeiler klingt, ist aber nur schnödes Gestein. Und das wollen die Menschen dort in der Erde lassen. Sogar die Herren aus Politik und Zeitgeschehen mischen sich ein. Sollte hier vielleicht gelingen, was mit der zerklüfteten Tagebaulandschaft am anderen Ende des Landkreises nicht gelungen ist? Es bleibt spannend – mit oder ohne Wetter.

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Samstag, 15. März 2008
Wir denken an uns ...
Mit inoffizieller Anteilnahme haben wir die Empörung unseres Wirtschaftsgurus registriert, weil die Mantra-Menschen in Dresden zwar dicke im rumbosseln sind, aber nicht an die Region denken. Da lassen die den Chef raushängen bei der Organisation der Woche der offenen Unternehmen – aber wollen, dass unsere Leute hier alles dafür erledigen. Dabei haben wir doch eine eigene Woche organisiert. Und das Argument, die jungen Menschen aus Dresden wollen bei einem Lausitzer in die Lehre gehen – hey, ihr habt doch Infrastruktur, Schnellrestaurants, Unis, Leuchttürme und so nen Zeug. Wir sind doch nicht mit dem Klammerbeutel gepudert. 500 Dresdner Dreherfirmen öffnen ihre Tore für einen Rundgang – und die Jugend steigt in die Bahn, um sich die Dreherbude in der Lausitz reinzuziehen? Unwahrscheinlich. Ne, es muss was vor Ort organisiert werden, regional, lokal, fast schon sublokal. Und das erledigen unsere Leute auch. Es gibt ja ne Woche an der Dreherbank oder in der Geldbank. Aber eben ein bissl später. Ist besser für unseren Nachwuchs, der so gleich doppelt gucken geht. Erst fahren künftige Azubis nach Dresden. Und können das einen Monat später mit ihrer Heimat vergleichen. Im April ist dann auch die Luft hier wieder besser.
Überhaupt die Jugend. Der haben wir von Amts wegen 1,6 Mille harter Euronen gegeben. Dank des Jugendhilfeausschusses gibt es also auch 2008 gute Unterhaltung für den Nachwuchs. So werden noch ganz patente Erdenbewohnern aus denen. Vielleicht ist sogar ein Wirtschaftsförderer darunter. Wenig förderlich ist das Umkippen des ganzen Windparkkrams gewesen. Üble Sache. Da stellt sich die Frage, ob die olle Sturmtieftante Kirsten vielleicht noch ne kleine Schwester hatte. Erst wird die Oberlausitz von dem Supervernichtungsorkan nur umweht, gestreift, angerempelt. Und dann kommt so nen kleiner Balg hinterher. Mistwetter!

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Brutalstmögliche Gehirnaktivität ...
Wir sind sehr niedergeschlagen. Nicht im wörtlichen Sinne, eher so gefühlsmäßig. Was uns betrüblich stimmt, ist diese Streikkultur. Ja richtig, nicht Streit, sondern Streik. An sich ist der ja aber so was von voll berechtigt – und auch die aktive Mittagspause auf dem Landratsamtsparkplatz erfreut den demokratischen Geist. Aber was das kostet! Die aufgeregten Streikenden verbrauchen mehr Energie, reden sich heißer und essen zu wenig. Das ist schlecht für die Gesundheit – und um unser Gesundheitssystem machen wir uns doch schon länger Sorgen. Hinzu kommen die Kosten im Falle einer Tariferhöhung. 1,2 Millionen Euro mehr Personalkosten sind bei uns möglich. Wir überlegen natürlich, was mit dem Geld möglich wäre. Bei einer Co.-Finanzierung durch die EU-, RP-, BU- oder XY-Töpfe könnte man aus dieser Summe locker acht Millionen machen. Leider bliebe das Geld nicht bei den Angestellten kleben. Aber vielleicht könnten die ihre Lohnforderung als Spende der Region zur Verfügung stellen. Das Chefamt hier stellt eine Quittung aus, die Finanzämter erkennen das unkompliziert an, der Steuerausgleich bringt einige Euro zu den Angestellten – und wir leben hier in Saus und Braus. Blöd nur, dass es ja eine Mehrbelastung ist und wir das Geld ja gar nicht in der Kasse haben, es ist ja alles schon verplant. Woher nun nehmen? Die Welt ist ungerecht. Und dazu das Wetter.
Sonnenschein ist hingegen für die Lausitzer Jugend bestellt. Wir haben den Berufswahlpass. Olé. Gut, den haben auch andere, aber wir wissen seit dieser Woche, wie der funktioniert. Also so ziemlich. Ist halt ’ne Betriebsanleitung für die Karriereleiter. Die Unternehmer schicken zudem die Schüler bald in den Polytechnischen Unterricht zurück. Irgendeiner hat den ja im Zuge von eingerissenen Mauern und gestürzten Idolen, die mit „H“ anfangen und mit „onecker“ enden, abgeschafft. Das ist Geschichte, jetzt wird die Jugend wieder zur Kartoffelernte herangezogen – wenn sie denn Landwirt werden will. Und dank der doppelt organisierten Aktivitäten in Sachen offene Unternehmen werden wir bald eine Facharbeiterschwemme in der Region haben. Würde es endlich Frühling und die Fortpflanzungshormone aktiv, wäre auch die Demografie ruck, zuck wieder im Lot. Am 20. März ist Frühlingsanfang.

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Es gibt keine Steigerung mehr ...
Die klugen, runzeligen Alten haben die strebsame, eingecremte Jugend immer ermahnt: Seid bescheiden, lobt euch nicht selbst, es kommen auch wieder schlechte Zeiten. Aber da unsere Lieblingsfreunde aus den Hochglanzratgeberbüchern zurzeit einen gegensätzlichen Trend vorgeben, versuchen wir es heute mal so rum. Die wollen, dass die Erfolge gefeiert und betrommelt werden. Das sei so was von wichtig für das eigene Karma, dass jeder nicht in die Welt posaunte Erfolg mindestens ebenso schlimm ist, wie in sich hineingefressener Ärger. Also los.
Hey Leute, die Frau Merkel war bei uns. Ja, das ist die Chefin. Gut, der Köhler Horst war auch schon da. Und der Schröder Gerhard auch. Aber mit dem Besuch der Kanzlerin in der Zivischule Schleife öffnet sich eine neue Dimension für uns: Jetzt gibt es bald nur noch Blumen und Frieden. Gut, etwas kriegerischer könnte es noch einige Jahre sein, weil die Frau Bundeskanzlerin selbst zur Waffe greifen würde, wenn sie die ober-ober-ober-theoretische Wahl zwischen Zividienst oder Uniform hätte. Aber hey, das Ziel ist klar: Weltfrieden. Und in den Geschichtsbüchern wird stehen: Anno 2008 sagte die Bundeskanzlerin im lausitzischen Schleife, dass Zivildienst echt nicht übel ist. Na ja, oder so ähnlich.
Auch in die Geschichte eingehen wird das Parkseminar in Rothenburg. Wer das nicht verfolgt hat, denkt vielleicht, da haben einige Alternative in Juchtenmänteln und mit dreckigen Fingernägeln auf ’ner Parkbank gesessen und seminariert. Nix da, da wurde angepackt. Die Erfolgsmeldung: 40 Bäume weniger. Weil so ein Naturpark einfach unbelehrbar ist und wächst, wie er will, musste halt mal ’ne Lehrstunde mit der Säge anberaumt werden. Das ist mal ein echter Erfolg. Jetzt gibt es wieder freie Sicht für freie Bürger im Stadtpark. Super.
Und dann der Findlingspark. Der hat bald einen Waldsee. So heißt er jedenfalls. Denn zumindest in der Saison 2007 war da noch kein Wald. Aber es ist wie so oft: Auf die Sichtweise und den Standpunkt kommt es an. Wer sich nämlich vorsichtig zwischen die Kakteen, Heidekräuter und Jungbäume legt, kann mit etwas Fantasie den Wald spüren, der da in 100 Jahren steht. Es geht uns also besser als je zuvor. Bescheiden müssen wir Lausitzer nicht sein – wir sind ganz weit oben. Und die Aussicht ist herrlich.

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Nebenwirkung sind Visionen ...
Wer fasten kann, hat es gut. Zumindest die ersten und letzten Tage. Denn dann soll sich eine Art Hochgefühl einstellen, ein Glücksrausch, Gedankenblitze, Befreiung von Körper und Geist. Ähnliche Erfahrungen berichten natürlich auch Freunde der deftigen Hausmannskost aus der Grillsaison – die bald wieder ansteht. Egal, am Freitagabend haben die Fastenwanderer ihre Tour in der Region beendet, einen Apfel gegessen und verbringen deshalb das Wochenende mit einem gewissen Völlegefühl, aber eben auch einem guten Gewissen. Grundsätzlich ist das alles supertoll – aber die Zeitungswoche hat uns auch darüber aufgeklärt, dass unsere Wirte gerne mehr Touristen im Lokal hätten. Deshalb soll die Beschilderung vom Frosch-, Wolfs- oder Neißeradweg, von Wanderpfaden und Aussichtspunkten auch Hinweise auf Gaststätten enthalten. Da beißt sich doch was, mag der eine oder andere einwenden. Denn wie reagieren die Wirte, wenn eine Gruppe Wanderer das Lokal betritt, sich setzt, die Toilette benutzt, Schutz vor Regen oder Kälte in der Klause findet – und dann gar nix verzehrt? Einfach nur rumfastet, ein Glas Leitungswasser verlangt und den mitgebrachten Apfel in ein bis zwei Stunden vertilgt? Oh ja, das ist fast so schlimm wie Zeche prellen. Es gibt Klärungsbedarf!
Reden sollten auch die Eltern – vor allem mit ihren Kindern. Denn die nehmen Drogen. Das ist nicht neu? Ha! Doch, denn nicht mehr die Pubertierenden, sondern die Dreikäsehochs fangen schon damit an. Die neuen Konsumenten kaufen sich vom Schul-Milchgeld bewusstseinserweiternde Rauschmittel. Ein neckisches Dudu! hilft da natürlich nicht. Es müssen Ideen, Ziele, Hobbys und Sozialstrukturen für die Kleinen gefunden werden. Vor drei Generationen haben Radfahren, Fußball, Budenbauen, Stromern, Klingelputze und Hasche geholfen. Jetzt stellt sich die Frage: Mit welchem Alter kann das Fastenwandern begonnen werden?

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Samstag, 16. Februar 2008
Ein Meer für die Lausitz ...
Wer vom warmen Drinnen gen sonniges Draußen guckt, kann mit etwas Fantasie Sommergefühle entwickeln. Und auch uns wird es ganz warm ums Herz, wenn wir an den Sommer denken. Unsere Oberpolitiker beschäftigt sich in den rauchfreien Amtsstuben angestrengt mit der Kreisfusion. Damit annektieren wir Nordlichter dann auch die Oybiner und den Rest der Südländer. Die sehen das natürlich andersrum. Egal. Wir Flachländer finden die „Bergies“ ganz toll, weil wir ja keine größeren Hügel haben. Mit der Fusion gibt es hier dann alles, bis auf ein Meer. Und selbst da sind wir dran: Die Bad Muskauer Sole – ja, dieses warme Salzwasser, welches aus den Untiefen des Faltenbogens ans Licht unseres liebsten Kurortes gepumpt wird – umspült spätestens 2010 welke Körper und gereizte Haut im supereffektiven Heilverfahren. Dann muss die Medizin aus der Erde aber irgendwohin. Da die Kläranlage das nicht packt, fließt die Sole in die Neiße. Dann hätten wir das erste Fluss-Meer der Welt, wenn die Planer die Altsole nicht reinigen würden. Ein netter Biologe könnte doch mal analysieren, ob Salzwasserfische sich nicht hier ansiedeln ließen.
Aber wir denken auch über die Neiße hinaus. Unsere Sächsisch-Polnische Wirtschaftskooperation zieht nach zwei Jahren Beratertätigkeit eine erfrischende Bilanz. Wer künftig mit den Nachbarpolen Geschäfte tätigen will – aber nicht weiß, wie die so ticken – ruft bei den IHKlern an. Hausbesuch garantiert, Wirtschaftserfolg auch. Ja, wir wissen, wie man zu Geld kommt. Andere leider auch: Die Fahrschulprüfungsgebühren sind gestiegen. Übel, gemein, hinterhältig? Mitnichten. Bei uns ist der Weg zur „Fleppe“ trotzdem 25 Prozent günstiger als in anderen Regionen.
Und dann das Oberlausitzer Biosphärenreservat. Das zieht in den Erlichthof Rietschen – auch die Westler der Region haben erkannt, dass im Wolfsland das Zentrum, der Nabel, der Mittelpunkt aller Hoffnung liegt. Na, vielleicht ist auch die Miete günstig. Hoffentlich wirds bald wieder richtig Sommer.

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Kein Einfluss, nirgends ...
Einfach weghören. Beine hoch, Tee schlürfen, Sonnenuntergang gucken. Die Politik machen lassen. Und die Polizei auch. Die Finanzmenschen sowieso und vielleicht auch die Sorben. Das ist ja nicht motivierend für den bildungsresistenten Teil der Jugend! Der verliert jede Lust an öffentlichen Debatten. Das ist traurig. Aber ehrlich, uns haben die Themen der Woche zwar den Blutdruck erhöht, ohne jedoch Druck auf die Politik auszuüben.
Biodieselsteuer etwa. Was haben wir die Augen aufgerissen, als wir eine Kleintransportermannschaft aus dem Nachbarland beim Supermarkt in Rietschen zwei Paletten Rapsöl kaufen sahen – und die den in den Tank ihres in die Jahre gekommenen Gefährts damit füllten. Mit nem Blick auf die Biodieselpreise an der Tanke lachen wir nicht mehr. Denn der Biodiesel ist so verflixt teuer, dass man heulen möchte. Und alle, die auf Bio-Tiger im Tank gesetzt haben, sind nun als immobiler Bettvorleger gelandet.
Ähnlich die Lage beim Mindestlohn. Die Wirtschaftsmagnaten sagen, der zerstört die zarte Ostpflanze des wohlfeilen Aufschwungs. Die Linken wollen soziale Gerechtigkeit. Und die, die malochen, einige Euro mehr. Was haben wir Oberlausitzer auf die Entscheidung für einen Einfluss? Keinen. Leider.
Und dann wieder Schengen. Die Polizei erklärt uns seit Dezember, dass alles gut wird und wir auf die März-Statistik warten müssen, ob wem was geklaut, gebracht, geborgt oder versehentlich entwendet wurde. Also: Einfluss null, abwarten.
Selbst bei unseren Sorben, die endlich auch Thema der großen Politik sind, werden wir nicht gefragt. Die Geldgeber zieren sich – und diejenigen, die sorbische Kultur rund um Schleife leben – tja, die sind zu weit von Bautzen, Dresden und Berlin weg. Schade.

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Mies anfangen, gut aufhören ...
Holla die Waldfee, haben wir uns gedacht, als uns der Waldzustandsbericht mit seinen hunderten Seiten nach der Lektüre in den Augen brannte und wir mitleidsvoll an die Fichten dachten: Die verliert 17 Prozent ihrer Nadeln. Huch, gut dass es keinen echten Winter gibt, die friert sich ja was ab. Aber dann die Erklärung: Weil es keinen Winter gibt – was Superwissenschaftler ja als Klimawandel bezeichnen – verliert sie ihr Kleid. Ne, ne, ne.
Ach ja Winter. Nix Schnee, nix Romantik, nix Kaminfeuer. Aber glatt wars. Ein Truckfahrer hat seinen fahrbaren Untersatz in den Straßengraben bei Rietschen gesemmelt. Er blieb unverletzt, aber blöderweise hing an der Zugmaschine auch ein Aufliegerhänger. Ärgerlich. Und das nur wegen Blitzeis über gleich mehrere Stunden.
Mit einer blitzartigen Aktion voller Pyrotechnik haben auch die Polizisten auf sich aufmerksam gemacht. Die haben in der Eishalle Weißwasser aufgeräumt. Also: Die bösen Fans weggeräumt. Eine Übung mit Hunden und Blaulicht und allem Drum und Dran. Wie im Kino. Nur wusste davon keiner, deshalb gibt es keine Fotos. Mist.
Um bei der Polizei zu bleiben. Die haben die Lage echt im Griff. Die Jugendgewalt geht zurück, vor allem bei uns. Es kann natürlich sein, dass die Krawallisten hier auf dem Land auch einfach zu weit fahren müssen, um Krawall loszutreten – und deshalb nach Berlin ziehen. Egal. Hier ists ruhig.
Nicht mehr ruhig sind indes die Unternehmer der Region. Alle klagen über Fachkräftemangel – und bei einigen besonders guten Klägern drängt sich der Eindruck auf, dass ist nicht so ganz von tiefsten Herzen geklagt – aber egal, unsere Unternehmer fördern jetzt Azubis und Azubinen, damit die perfekt in ihre Firmen passen. Fein, fein.

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Samstag, 22. Dezember 2007
Bodenloses Wachstum ...
Mit einem von patriotischem Stolz erfüllten Grinsen haben wir registriert, dass die Rothenburger Firma Lausitz-Elaste ganz dicke in Sachen Gummi unterwegs ist – und auch mit unserer Keula-Hütte in Krauschwitz eine wohlfeile Partnerschaft pflegt. Es gibt sie also noch, die Unternehmer, die was unternehmen. Natürlich sind in diesem so harmlos-nett wirkenden Landstrich Typen, die patriotischen Stolz irgendwie eigenartig auslegen. Deshalb hat es ja die Aktion Rechts rockt Sachsen in Niesky gegeben. Was den flüchtigen, marmeladebekleckerten Frühstückslesern der Zeitung vielleicht die Nachtfalten aus dem Antlitz bügelt, ist die Formulierung. Klingt doch pro Rechts. So: Lasst uns Sachsen rocken und Spaß dabei haben. Und wenn jetzt Rechts Sachsen rockt, bleiben Links Fragen. Um es neudeutsch zu formulieren: Das ist tricky – also eine Mischung von trickreich und clever. Denn so gucken sich das Dingensbummens die an, die auf dem rechten Auge blind sind – und die, welche auf dem linken Auge nix blicken und so weiter.
Gegen Sehstörungen gibt es die Ärzte. Aber nicht bei uns. Gerade bei denen nicht ein wenig nette Musik und einige Pflänzchen aus dem Vorgarten genügen, grassiert die Nachfolgerpanik – also Fachärzte. In Königshäusern vergangener Zeiten hat es da Zwangsheiraten gegeben – das geht nicht mehr. Und ausbaden müssen wir Patienten das – bitte bleiben Sie gesund.
Dass der künftige Superkreis in Ostsachsen, der gar kein Kreis, sondern eben eine Banane ist, gesund und stark wird, haben unsere Oberentscheider in dieser Woche auch beschlossen. Wir Nordmänner geben unsere hoheitlichen Aufgaben in Sachen Kultur- und Bildung an die Löbau-Zittauer ab. Die haben sich aufgrund der ganzen Öl-Reserven-Diskussion den Namen Kuweit für das Konstrukt gegeben. Vielleicht um ein Kontrapunkt zu den Ökos zu setzen. Aber die haben jetzt auch was Neues erfunden. Einen Energiestammtisch in Weißwasser. Ob dabei fiese Zoten über Energie gerissen werden, man in geselliger Runde über Strom, Volt und Watt redet oder mit der teuren Ware handelt, bleibt abzuwarten. Es kommt ja noch ein Jahr. Bald.

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Montag, 10. Dezember 2007
Geflügelte Jahresendfigur mit Zuckerguss ...
Alles hängt irgendwie zusammen. Glitter hängt am Tannenbaum neben Kugeln und Leuchtelementen. Und damit hängt das Jahr zusammen, das dem Ende seiner 365 Tage entgegenstrebt. Ein rotbemäntelter, bartmaskierter Typ hängt ebenfalls mit dem ganzen Gewese um Schnee (fehlt), Rentiere (lange nicht gesehen), Geschenke (wer schenkt einem heute noch was), gemütliche Abende im Familienkreis (vor dem Fernseher) und mit der Schokoindustrie (das haut hin) zusammen. Wir nennen das Weihnachtszeit. Und die bricht mit aller Gewalt (aber sanft-säuselnd) über uns herein. Das gilt, auch wenn den wenigsten Nüchternen ein weihevoller Zusammenhang der CD-Mugge im Supermarkt (X-mass is comming) und dem Schneefall (leider noch im Aggregatzustand flüssig) einleuchten mag. Offiziell ist Besinnlichkeit angeordnet, also wird gefühlsduselt.
Jedenfalls hat in Weißwasser der Romantische Weihnachtsmarkt eröffnet, und der in Niesky ist für das gemeine Volk ebenfalls zugänglich. Und so bollern die Räuchermännchen vor sich hin – und wir erinnern uns an die Debatte um das Rauchverbot. Da schlägt die Physiognomie der Wirte Falten, weil die an den Rauchern hängen. Raucher sind ja zumeist gemütliche Männeken und konsumieren wegen des trockenen Rauchs viel Flüssiges. Womit der Marktzusammenhang kugelblitzartig in den Vordergrund tritt. Aber, liebe Leute, lasst euch sagen: Die Uhr hat gegen die Raucherschaft geschlagen! Also Obacht – ein weiterer Zusammenhang: Das Medizinische Versorgungs-Zentrum Rothenburg sucht Ärzte. Wenn es aber weniger Räuchermännchen oder -frauchen gibt, sinkt das Herzinfarktrisiko, die Haut altert nicht so fix, und die Zähne bleiben werbefernsehtauglich. Da braucht man weniger Ärzte in deutschen Landen – somit müssten bald einige Mediziner arbeitslos sein – und die könnten in Rothenburg anfangen. Na ja, zumindest könnten sie dort abhängen. Viel zu tun werden sie nicht haben, denn eine Gesundheitsstudie sagt: Der Landbursche und die -maid sind viel gesünder als die Ballungszentrums-Bevölkerung. Ja, Landluft tut gut, auch wenn der Kuhdung in der Nase beißt. Da können Großstädter ihr Gesicht noch so finster zur Faust ballen – die schönsten Menschen hängen in der Lausitz ab.

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Dereinst dudelte die DDR daher ...
Das ist eine Ansage für alle Wendemuffel, N(Ost)algiker und rote Socken: Glaubt bloß nicht, das posttotalitäre System kommt zurück, nur weil bei den Oberentscheidern unserer ach so sozialen Marktwirtschaft die Erkenntnis reift, dass in der DDR nicht alles schlecht war. Gut, es stimmt die Aktien-, Immobilien- und Spekulationshaie unserer Tage sicher verwunderlich, dass wir alle den „polytechnischen Unterricht“ wiederhaben wollen (weil er einfach besser ist), dass die mühsam zerschlagenen Polikliniken wieder aufgebaut werden (ein Hoch auf die Gemeinschaftspraxen) und sogar die „Produktive Arbeit“ dem Nachwuchs widerfährt (auch wenn das jetzt Praktikum oder soziales Jahr heißt). Aber wenn ihr denkt, dass bald der Film „DDR-Reloaded“ in die Multiplexe (Lichtspielhäuser) kommt, täuscht ihr euch. Der Grund ist einfach: Das ist billiger. Nix mit Demo und Sozialismus und Republik. Es heißt leider weiter: Geld regiert!
Wie sehr der schnöde Mammon regiert, hat auch der Wolf erfahren. Er jaulte schon himmelhoch, als die Verträge für seine Betreuer in der Lausitz Tag um Tag im Ministerium verblieben – da kam auf SZ-Anfrage Bewegung in die Sache und nun ist es geklärt. Lupus und Lupinchen werden weiter beobachtet, die Verträge sind nicht im Reißwolf gelandet. Kurzum, wir werden weiterhin alles über Elektrozäune, Litzen und Herdenschutzvierbeinerausbilder erfahren. Der Wolf grollt der SZ.
Eine gute Erfahrung in dieser Zeitungswoche war das „rege Interesse“ diverser „Interessenten“ (Achtung: Weißer Schimmel trifft auf Schwarzen Rappen) für den Waggonbau in Niesky. Das ist eine Lehrstunde der Marktwirtschaft, wie sie das Kommunistische Manifest nicht besser hätte formulieren können: Obwohl es Bedarf an guten Waggons gibt, obwohl Wissen und Qualität stimmen, reicht das Geld nicht, um Material zu kaufen. Das kennen wir alles irgendwie. Aber in der Marktwirtschaft gibt es eben statt Planübererfüllung per Parteitagsbeschluss Investoren, die eine gute Chance zu nutzen wissen. Na vielleicht gewinnt ja einer von hier den Lotto-Jackpot – dann kann der unserer Lausitz mal richtig Zucker geben. Is‘ ja Weihnachtszeit.

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Ein großes "Ach" schalmeit ...
Gut, dass wir keine Finnen sind. Bei denen ist der Winter nicht so lustig wie bei uns – und deprimiert sind die, so unglaublich deprimiert, man möchte sie fast einladen, bei uns Urlaub zu machen. Zwar haben wir im November, wie wir in dieser Zeitungswoche erfahren haben, auch eine finnische Zeit, die nichts mit deren Sauna oder Schulsystem zu tun hat – aber wir sind längst nicht so dauer-depri, wie die Finnen. Und wir wissen jetzt: Hey, es ist ganz normal, dass alle der Herbstdepression erliegen. Wirklich, normal! Ein bissel Schokolade, etwas Holzfeuer im Kamin oder Pfützenhopperei, wenn schon kein Schnee da ist. Danach ist alles wieder gut. Wer keinen Kamin, keine wasserdichten Schuhe, aber dafür leichte Figurprobleme hat, kann noch einkaufen. Eine bessere Ausrede als die Geschenkejagd gibt es in der Vorweihnachtszeit ja wohl nicht. Oder eben mit Grog den körperinneren Kamin auf Temperatur bringen. Oder Diät-Schoko. Na ja. Nicht schlecht schauen würden die Nordländer, wenn sie bei der Sitzung der Touristischen Gebietsgemeinschaft Neißeland dabei gewesen wären. Denn nun ist wintersonnenklar: Die Lausitz ist ein Urlaubsparadies. Nee, echt jetzt! Es gibt hier alles: Teiche, die jetzt abgelassen sind. Mittelgebirge, auf denen kaum Schnee liegt. Badeseen, die noch für Badegäste gesperrt sind. Radwege, auf denen es zurzeit etwas frisch ist. Ja, da schalmeit die Novemberdepression durch den Buchstabenwald. Ist aber nicht so gemeint. Wir lieben die Lausitz – aber zurzeit, mal ehrlich – es ist schon etwas trübe. Bleibt noch Plätzchen backen, Greenpeace am Kraftwerk gucken, Wildwechsel ausweichen, sich und die Familie per Vorlese-Marathon weiterbilden oder eben Müll trennen. Letzteres haben wir Lausitzer in der jüngsten Vergangenheit etwas schludern lassen. Ja, die neueste Landkreisstudie spricht es aus: Da ist doch die eine oder andere Bananenschale im Restmüll gelandet, weil Papa die Biotonne mit Gartenabfällen voll- gestopft hat. Böse, böse! Aber wenigstens gibt es Bananen. Ach ja!

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Sich in Toleranz üben, üben, üben ...
Ja, ja, in wenigen Stunden ist Weihnachten. Na super – wieder dieses Gebimmel und Gebammel, die roten Typen mit ihren albernen Kunstbärten, dieser süßliche Duft in den Kaufhäusern, der ganze Glitter-Nepp und diese Gefühlsduselei. Bald nun ist Weihnachtszeit? Da möchten Sommerfreunde rufen: Schon wieder, tut das Not? Ja, tut es. Zumindest wenn es um andere Menschen geht – denn Geben ist nicht nur seeliger als Nehmen, es bringt auch Zufriedenheit. Die Aktion Weihnachten im Schuhkarton hat dieses Potenzial. Etwas geben, dass nicht sehr schmerzt, aber den Beschenkten Freude bereitet. Das würden sogar die übelsten Marktstrategen gutheißen: Wenig Kosten, großer Nutzen. Also los!
Also da! Das lässt sich nun von den Pontons sagen, die im Bärwalder See liegen. 68 Klötzer, wie aus dem Lego-Katalog. Schiffe sollen da anlegen – na endlich geht es voran. Dass der Schwarzhalstaucher nicht ab-, sondern bei unserem Lieblingssee aufgetaucht ist, sollte niemanden beunruhigen: Der mag seichtes Gewässer. Füllt sich der Bäri-See, landet das Vögelchen vielleicht bald in einem anderen, flacheren Tagebaurestsee. Wir haben ja genug davon, Verzeihung dafür.
Unverzeihlich ist indes die Rede von: Geld ist nicht alles, man muss sich persönlich einbringen, jeder ist gefragt oder ganz provozierend: Was tust du? Da gibt es also für eine Idee des Kreises, Aktivitäten und Einrichtungen besser gegen Rechts zu koordinieren, kein Extra-Geld aus Dresden. Haben die sich im Superballungszentrum, im sächsischen Leuchtturm, im Nabel der Christstollenwelt oder im Landtag mal gefragt, was die Braunhemdchen so tun, wenn sie nicht in der Landeshauptstadt sind? Ja, genau, die erholen sich auf dem Lande. Und Land ist ja vor allem hier.

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Freitag, 9. November 2007
Still ruhen See und Verkehr ...
Wir Lausitzer sind ja allesamt Schwerstarbeiter. Deshalb haben wir natürlich ganz große Gefühle der Solidarität für die Menschen im Führerhaus unserer Massenbeförderungsmittel auf Schienen. Die Lok-Lenker streiken für mehr Lohn – und wir gönnen es ihnen. Blöd ist nur die Ausweitung ihres Streiks auf den Güterverkehr: Denn nun kommen die ÖPNV-Mitfahrer zwar zur Arbeit, aber die Arbeitgeber in den materialintensiven Branchen haben nichts mehr zu tun. Ohne Material geht es eben nicht. Wir könnten uns darauf einigen, dass die Bahn eben ein knuffiges Tarif-Angebot vorlegen soll. Dann ginge alles wieder in gewohnten Bahnen. Allerdings gibt es naserümpfende Kritiker, die mit so einem Vertrag Tür und Tor geöffnet sehen – für alle tarifbezahlten Berufsguppen. Wenn die auch streiken, fällt in den nächsten Monaten immer wieder irgendwas aus oder weg oder um, weil irgendwo ne Arbeitsniederlegung ist. Irre Zeiten!
Ein irres Hochgefühl hat uns indes beschlichen, als uns die Nachricht ereilte, dass der Spreezuleiter für unseren Lieblings-Bäri-See repariert wird. Im Dezember will der Bergbausanierer fertig sein – hoffen wir mal auf den Klimawandel und einen frostfreien Winter, sonst kommt ja kein Wasser aus dem Gebirge zu uns Flachländern.
Erfreut hat uns auch eine leere Fläche in Berlin. Die Mauer ist weg. Wir können außerhalb der sozialistischen Bruderländer Urlaub machen – das jährt sich zum 18. Mal. Wir feiern das mit 18-Jährigen, die weder Schlager-Süßtafel, Ata und Radialreifennachschub für Lada und Trabi wertschätzen können. So haben wir beim Trabi eine Ko-Festivität ausgerichtet, seinen Frührentenalter-Geburtstag. Mit Blick auf morgen sagen wir Helau oder Alaaf oder Guddi oder Juhu.

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Samstag, 3. November 2007
Der Zuschauer und die Wattejacke ...
Die Weisheitsnasen, die selbige mit Löffeln zu sich genommen haben, behaupten, es gebe kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Das sind die gleichen Leute, die warm duschen, sich nur im Dunkeln umziehen und Energiesparlampen bei jedem Verlassen des Zimmers ausknipsen. Egal, jedenfalls wissen die gar nicht, wie räudig kalt es auf einem Sportplatz in der Winterzeit werden kann, wenn man sich aufgrund der Nichtteilnahme an den Wettkämpfen gar nicht körperlich betätigen kann. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Niesky seine neue Supersporthalle erhält. Denn mal ehrlich – wir kennen das vom Eishockeyspielen in der Noch-Kreisstadt: Es ist nicht immer angenehm, sich an den Nebenmann zu kuscheln, um nicht zu erfrieren. Wenn einem der Geruch die Tränen in die Augen treibt, oder unvermutete Inkontinenz oben oder unten zu einer bekleckerten Fanweste führt, will man im Winter rein ins Warme. Heute geht die Saison in Niesky wieder los. Toll. Gleichwohl ist zumindest für die Nichteishockespielerfans eine Tribüne mit noblen Sitzgelegenheiten so fein. Zudem haben wir erfahren, dass sogar die Touristen im Winter gar nicht nur zum Skifahren in die Region kommen. Sie wollen ein breites Indoor-Angebot, was wortwörtlich übersetzt Innentür-Angebot bedeuten könnte, aber vor allem Wärme verspricht. Egal, jedenfalls setzt die Lausitz jetzt voll auf Ski und Innen. Geht nicht? Die spinnen, die Lausitzer? Nüschd da. Riesenleinwände in Hallen und spätestens das in der Erinnerung unverbrauchte WM-Feeling, also äh, sorry, ne, Verzeihung: Weltmeisterschafts-Gefühl, wollen wir wieder haben. Wenn die Ski-WM 2009 in Leknica ist, schauen wir zu, innen und im Warmen. Und die Touris auch. Letztere sollten sich – nur mal so am Ende einer Zeitungswoche im Sinne eines gut gemeinten Ratschlages – die Schleifer Region mit ihren traditionsreichen Sorben und den windschnittigen Bauernhöfen anschauen. Was nämlich weggebaggert ist, lässt sich nicht mehr besichtigen. Also, husch die Waldfee, und in Schleife einige Schleifen drehen, im warmen Auto.

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Legales Picheln auf Arbeit ...
Die Sekt-Keltereien müssen sich an uns Lausitzern in dieser Woche eine goldene Nase verdient haben. Was wir diesmal alles eingeweiht haben, ist beachtlich. Und zu einer zünftigen Weihe gehört das perlende Gesöff nunmal dazu. Hier die Wolfsausstellung, da eine Galerie, ein Abfischen, ein Schlachtfest und da die Bundeswehr. Deren Vertreter haben ja auf unserem „Tüpi“ die Gläser klirren lassen, während lautstark die eine oder andere Kanone im Hintergrund die Siliziumscheiben der neuen Fotovoltaikanlage in Gleichklang mit den Sektgläsern brachte. Ja, das Picheln bei der Arbeit kann auch erwünscht sein.
Weniger prickelnd haben wir gelesen, dass unsere Jugend darüber nachdenkt, die Schule nach hinten zu verlagern – zeitlich. Den Guten ist es zu früh. Die sind da noch müde, weil die Party mal wieder zu lange gedauert hat. Und natürlich findet sich ein amerikanischer Wissenschaftler, der das frühe Aufstehen verteufelt und was von Bio-Rhythmus erzählt. Da schlagen wir vor: Bio als erste Stunde am Morgen. Oder so lange feiern, dass es direkt von der Party in die Schule geht. Das ist aber auf Dauer ebenso wenig zu empfehlen, wie ein Gläschen Sekt mit einem Energiegetränk zu mixen, um morgens auf Touren zu kommen.
Auf Touren ist indes der Regionalplan für Ostsachsen gekommen. Der liegt jetzt vor – und stellt die Weichen für die Zukunft. Aber so sachlich, wie der daher kommt, haben die Macher das eine Jahr Bearbeitungszeit in völliger Sekt-Abstinenz gelebt. Und sie sind wohl auch früh aufgestanden, um sich mit alternativer Energieerzeugung – von Fotovoltaik über Windkraft bis Biomasse – zu beschäftigen. Vielleicht stoßen sie ja bei der Verabschiedung des Planes mit Sekt an. Es muss ja keine Flasche sein.

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