Mittwoch, 15. August 2007
Wildgulasch im Kühlergrill ...
Im Polizeibericht heißt es schlicht: „Der Fahrer des PKW Opel befuhr die B 156 aus Bautzen kommend.“ Der Fahrer ist der Autor dieses Beitrags. Es ist Sonnabend, 21 Uhr. Nebelbänke wabern über die abgeernteten Felder an der Bundesstraße 156, es nieselt, Dämmerung zieht auf. Der Fahrer hofft, dass es in Weißwasser nicht regnet – denn an diesem Abend spielt die Böhse Onkelz Cover-Band auf dem Vereinsgelände des Hellhounds-Motorradklubs. Zu diesem Konzert will er.
Zum Jäger mit Widerwillen
Und dann passiert es – und zwar so schnell, dass an Bremsen oder Ausweichen nicht zu denken ist. Ein Reh quert „die Fahrbahn von links nach rechts und es kam zum Zusammenstoß“, heißt es im Polizeibericht. Den Bruchteil einer Sekunde sieht der Fahrer das Reh, bevor es mit einem hässlichen Geräusch gegen den Grill des Geländewagens prallt. Die Erschütterung ist minimal, das Auto schlingert nicht, der Airbag bleibt im Lenkrad.
Bremsen. Einige Meter entfernt ist eine Bushaltestelle. Rechts ran, Warnblinker an, raus aus dem Auto – Schadenssuche. Na ja, die Stoßstange hängt etwas arg schief, das Nummernschild ist zerbeult, Haar- und Blutreste vom Reh kleben im Grill und an den Scheinwerfern.
Anruf bei der Polizei. Erst tönt die Ansage einer Warteschleife. Sekunden später knackt es kurz, ein Polizeibeamter meldet sich. Kurze Erklärung: Was, wann, wie, wo mit wem geschehen ist. „Sichern Sie die Unfallstelle“, sagt der Polizist. Geduld solle man mitbringen, die Kollegen hätten viel zu tun. Gut. Motor aus, am Straßenrand zurückgelaufen. Das Reh ist nicht zu finden, nur etwas Blut. Es wird dunkel. Warten. Das Mobiltelefon klingelt. Noch mal die Polizei. „Ist Ihr Auto fahrbereit?“, fragt der Polizist. Eine Stunde werde es dauern, bis Kollegen am Unfallort seien. „Sie könnten den Unfall beim Revier in Weißwasser aufgeben.“ Ja, klar. Der Puls kommt auf den verbleibenden 26 Kilometern zur Ruhe. Auf dem Revier läuft alles routiniert ab. Dass der Polizist nach der Besichtigung der Schäden genau wissen will, wo es passiert ist, hängt mit der Statistik zusammen. „Häufen sich Wildunfälle an der Stelle, kommt ein Warnschild hin“, sagt er. An rund 30 Stellen in der Region sind die zu finden.
Das Konzert findet ohne diesen Opel-Fahrer statt. Die Reparatur dauert laut Werkstatt wohl drei Tage. Die Selbstbeteiligung der Teilkasko liegt bei üblichen 150 Euro. Am frühen Morgen haben Jäger das Reh mit Hunden entdeckt.

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Egon und Ilek sind toll ...
Wer eine Fußhupe hat, weiß wie leicht die verloren geht – die darf man nicht von der Leine lassen. Einer Schaustellerin beim Rothenburger Stadtfest ist genau das passiert. Dackel Egon ist plötzlich weg – der Fahndungsaufruf in der Zeitung bringt zwei Tage später die vermisste Fußhupe zurück auf die Bretter der Welt. Auch wenn die reisenden Schausteller längst weiter gezogen sind. Ja, es gibt noch gute Menschen, die eine verlorene Fußhupe zurückgeben. Das ist nicht selbstverständlich.
Denn irgend jemand scheint im Bärwalder See den Stöpsel nicht ordentlich eingepfropft zu haben, der See ist leck, läuft ab. Und das verlorene Wasser kann ohne fluide Geschenke der Talsperrenverwaltung auch nicht wieder aufgefüllt werden. Deshalb ergeht folgender Hinweis an alle Seefreunde: Geht sparsam mit dem Wasser um, wer weiß, wann Nachschub kommt.
Mit Nachschub scheinen indes die Kinder und Jugendlichen kein Problem zu haben – zumindest, was das Taschengeld angeht. Die haben heute zwischen 15 und 20 Euro pro Monat zur freien Verfügung. Das rechnen wir Ossis natürlich noch grob um: Ein Euro sind zwei D-Mark. Zwei D-Mark sind mindestens zehn Blechmark. Das bedeutet: Kinder von heute erhalten die irre Summe von etwa 200 Mark pro Monat. Bei einem Ossi-Einkommen eines voll berufstätigen von 900 Mark spricht das für äußerst spendable Eltern. Die Kinder sollten also Danksagungen formulieren und in prosaischer Weise ihren lieben Eltern vortragen.
Ebenfalls eine prächtige Danksagung ist bei unserem neuen Kumpel Ilek angebracht. Der will zum Beispiel als Finanzier auftreten für die „Umnutzung ländlicher Bausubstanz“. Natürlich fragen wir bei neuen Freunden nach: Hä? Was issn das? Werden jetzt Felder zu Gewerbegebieten, oder Bauernhöfe zu Schiffswerften oder Scheunen zu Schalterhallen für Banken? Egal. Ilek scheint ein dufter Typ zu sein. Und wenn er hier investieren will, kann er das natürlich gerne tun – so lange es in sein Integriertes Ländliches Entwicklungs-Konzept passt.

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