Samstag, 3. November 2007
Der Zuschauer und die Wattejacke ...
Die Weisheitsnasen, die selbige mit Löffeln zu sich genommen haben, behaupten, es gebe kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Das sind die gleichen Leute, die warm duschen, sich nur im Dunkeln umziehen und Energiesparlampen bei jedem Verlassen des Zimmers ausknipsen. Egal, jedenfalls wissen die gar nicht, wie räudig kalt es auf einem Sportplatz in der Winterzeit werden kann, wenn man sich aufgrund der Nichtteilnahme an den Wettkämpfen gar nicht körperlich betätigen kann. Deshalb ist es auch so wichtig, dass Niesky seine neue Supersporthalle erhält. Denn mal ehrlich – wir kennen das vom Eishockeyspielen in der Noch-Kreisstadt: Es ist nicht immer angenehm, sich an den Nebenmann zu kuscheln, um nicht zu erfrieren. Wenn einem der Geruch die Tränen in die Augen treibt, oder unvermutete Inkontinenz oben oder unten zu einer bekleckerten Fanweste führt, will man im Winter rein ins Warme. Heute geht die Saison in Niesky wieder los. Toll. Gleichwohl ist zumindest für die Nichteishockespielerfans eine Tribüne mit noblen Sitzgelegenheiten so fein. Zudem haben wir erfahren, dass sogar die Touristen im Winter gar nicht nur zum Skifahren in die Region kommen. Sie wollen ein breites Indoor-Angebot, was wortwörtlich übersetzt Innentür-Angebot bedeuten könnte, aber vor allem Wärme verspricht. Egal, jedenfalls setzt die Lausitz jetzt voll auf Ski und Innen. Geht nicht? Die spinnen, die Lausitzer? Nüschd da. Riesenleinwände in Hallen und spätestens das in der Erinnerung unverbrauchte WM-Feeling, also äh, sorry, ne, Verzeihung: Weltmeisterschafts-Gefühl, wollen wir wieder haben. Wenn die Ski-WM 2009 in Leknica ist, schauen wir zu, innen und im Warmen. Und die Touris auch. Letztere sollten sich – nur mal so am Ende einer Zeitungswoche im Sinne eines gut gemeinten Ratschlages – die Schleifer Region mit ihren traditionsreichen Sorben und den windschnittigen Bauernhöfen anschauen. Was nämlich weggebaggert ist, lässt sich nicht mehr besichtigen. Also, husch die Waldfee, und in Schleife einige Schleifen drehen, im warmen Auto.

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Legales Picheln auf Arbeit ...
Die Sekt-Keltereien müssen sich an uns Lausitzern in dieser Woche eine goldene Nase verdient haben. Was wir diesmal alles eingeweiht haben, ist beachtlich. Und zu einer zünftigen Weihe gehört das perlende Gesöff nunmal dazu. Hier die Wolfsausstellung, da eine Galerie, ein Abfischen, ein Schlachtfest und da die Bundeswehr. Deren Vertreter haben ja auf unserem „Tüpi“ die Gläser klirren lassen, während lautstark die eine oder andere Kanone im Hintergrund die Siliziumscheiben der neuen Fotovoltaikanlage in Gleichklang mit den Sektgläsern brachte. Ja, das Picheln bei der Arbeit kann auch erwünscht sein.
Weniger prickelnd haben wir gelesen, dass unsere Jugend darüber nachdenkt, die Schule nach hinten zu verlagern – zeitlich. Den Guten ist es zu früh. Die sind da noch müde, weil die Party mal wieder zu lange gedauert hat. Und natürlich findet sich ein amerikanischer Wissenschaftler, der das frühe Aufstehen verteufelt und was von Bio-Rhythmus erzählt. Da schlagen wir vor: Bio als erste Stunde am Morgen. Oder so lange feiern, dass es direkt von der Party in die Schule geht. Das ist aber auf Dauer ebenso wenig zu empfehlen, wie ein Gläschen Sekt mit einem Energiegetränk zu mixen, um morgens auf Touren zu kommen.
Auf Touren ist indes der Regionalplan für Ostsachsen gekommen. Der liegt jetzt vor – und stellt die Weichen für die Zukunft. Aber so sachlich, wie der daher kommt, haben die Macher das eine Jahr Bearbeitungszeit in völliger Sekt-Abstinenz gelebt. Und sie sind wohl auch früh aufgestanden, um sich mit alternativer Energieerzeugung – von Fotovoltaik über Windkraft bis Biomasse – zu beschäftigen. Vielleicht stoßen sie ja bei der Verabschiedung des Planes mit Sekt an. Es muss ja keine Flasche sein.

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