Samstag, 16. Februar 2008
Ein Meer für die Lausitz ...
Wer vom warmen Drinnen gen sonniges Draußen guckt, kann mit etwas Fantasie Sommergefühle entwickeln. Und auch uns wird es ganz warm ums Herz, wenn wir an den Sommer denken. Unsere Oberpolitiker beschäftigt sich in den rauchfreien Amtsstuben angestrengt mit der Kreisfusion. Damit annektieren wir Nordlichter dann auch die Oybiner und den Rest der Südländer. Die sehen das natürlich andersrum. Egal. Wir Flachländer finden die „Bergies“ ganz toll, weil wir ja keine größeren Hügel haben. Mit der Fusion gibt es hier dann alles, bis auf ein Meer. Und selbst da sind wir dran: Die Bad Muskauer Sole – ja, dieses warme Salzwasser, welches aus den Untiefen des Faltenbogens ans Licht unseres liebsten Kurortes gepumpt wird – umspült spätestens 2010 welke Körper und gereizte Haut im supereffektiven Heilverfahren. Dann muss die Medizin aus der Erde aber irgendwohin. Da die Kläranlage das nicht packt, fließt die Sole in die Neiße. Dann hätten wir das erste Fluss-Meer der Welt, wenn die Planer die Altsole nicht reinigen würden. Ein netter Biologe könnte doch mal analysieren, ob Salzwasserfische sich nicht hier ansiedeln ließen.
Aber wir denken auch über die Neiße hinaus. Unsere Sächsisch-Polnische Wirtschaftskooperation zieht nach zwei Jahren Beratertätigkeit eine erfrischende Bilanz. Wer künftig mit den Nachbarpolen Geschäfte tätigen will – aber nicht weiß, wie die so ticken – ruft bei den IHKlern an. Hausbesuch garantiert, Wirtschaftserfolg auch. Ja, wir wissen, wie man zu Geld kommt. Andere leider auch: Die Fahrschulprüfungsgebühren sind gestiegen. Übel, gemein, hinterhältig? Mitnichten. Bei uns ist der Weg zur „Fleppe“ trotzdem 25 Prozent günstiger als in anderen Regionen.
Und dann das Oberlausitzer Biosphärenreservat. Das zieht in den Erlichthof Rietschen – auch die Westler der Region haben erkannt, dass im Wolfsland das Zentrum, der Nabel, der Mittelpunkt aller Hoffnung liegt. Na, vielleicht ist auch die Miete günstig. Hoffentlich wirds bald wieder richtig Sommer.

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Kein Einfluss, nirgends ...
Einfach weghören. Beine hoch, Tee schlürfen, Sonnenuntergang gucken. Die Politik machen lassen. Und die Polizei auch. Die Finanzmenschen sowieso und vielleicht auch die Sorben. Das ist ja nicht motivierend für den bildungsresistenten Teil der Jugend! Der verliert jede Lust an öffentlichen Debatten. Das ist traurig. Aber ehrlich, uns haben die Themen der Woche zwar den Blutdruck erhöht, ohne jedoch Druck auf die Politik auszuüben.
Biodieselsteuer etwa. Was haben wir die Augen aufgerissen, als wir eine Kleintransportermannschaft aus dem Nachbarland beim Supermarkt in Rietschen zwei Paletten Rapsöl kaufen sahen – und die den in den Tank ihres in die Jahre gekommenen Gefährts damit füllten. Mit nem Blick auf die Biodieselpreise an der Tanke lachen wir nicht mehr. Denn der Biodiesel ist so verflixt teuer, dass man heulen möchte. Und alle, die auf Bio-Tiger im Tank gesetzt haben, sind nun als immobiler Bettvorleger gelandet.
Ähnlich die Lage beim Mindestlohn. Die Wirtschaftsmagnaten sagen, der zerstört die zarte Ostpflanze des wohlfeilen Aufschwungs. Die Linken wollen soziale Gerechtigkeit. Und die, die malochen, einige Euro mehr. Was haben wir Oberlausitzer auf die Entscheidung für einen Einfluss? Keinen. Leider.
Und dann wieder Schengen. Die Polizei erklärt uns seit Dezember, dass alles gut wird und wir auf die März-Statistik warten müssen, ob wem was geklaut, gebracht, geborgt oder versehentlich entwendet wurde. Also: Einfluss null, abwarten.
Selbst bei unseren Sorben, die endlich auch Thema der großen Politik sind, werden wir nicht gefragt. Die Geldgeber zieren sich – und diejenigen, die sorbische Kultur rund um Schleife leben – tja, die sind zu weit von Bautzen, Dresden und Berlin weg. Schade.

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Mies anfangen, gut aufhören ...
Holla die Waldfee, haben wir uns gedacht, als uns der Waldzustandsbericht mit seinen hunderten Seiten nach der Lektüre in den Augen brannte und wir mitleidsvoll an die Fichten dachten: Die verliert 17 Prozent ihrer Nadeln. Huch, gut dass es keinen echten Winter gibt, die friert sich ja was ab. Aber dann die Erklärung: Weil es keinen Winter gibt – was Superwissenschaftler ja als Klimawandel bezeichnen – verliert sie ihr Kleid. Ne, ne, ne.
Ach ja Winter. Nix Schnee, nix Romantik, nix Kaminfeuer. Aber glatt wars. Ein Truckfahrer hat seinen fahrbaren Untersatz in den Straßengraben bei Rietschen gesemmelt. Er blieb unverletzt, aber blöderweise hing an der Zugmaschine auch ein Aufliegerhänger. Ärgerlich. Und das nur wegen Blitzeis über gleich mehrere Stunden.
Mit einer blitzartigen Aktion voller Pyrotechnik haben auch die Polizisten auf sich aufmerksam gemacht. Die haben in der Eishalle Weißwasser aufgeräumt. Also: Die bösen Fans weggeräumt. Eine Übung mit Hunden und Blaulicht und allem Drum und Dran. Wie im Kino. Nur wusste davon keiner, deshalb gibt es keine Fotos. Mist.
Um bei der Polizei zu bleiben. Die haben die Lage echt im Griff. Die Jugendgewalt geht zurück, vor allem bei uns. Es kann natürlich sein, dass die Krawallisten hier auf dem Land auch einfach zu weit fahren müssen, um Krawall loszutreten – und deshalb nach Berlin ziehen. Egal. Hier ists ruhig.
Nicht mehr ruhig sind indes die Unternehmer der Region. Alle klagen über Fachkräftemangel – und bei einigen besonders guten Klägern drängt sich der Eindruck auf, dass ist nicht so ganz von tiefsten Herzen geklagt – aber egal, unsere Unternehmer fördern jetzt Azubis und Azubinen, damit die perfekt in ihre Firmen passen. Fein, fein.

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