Samstag, 17. Mai 2008
Jazzen und jucken ...
Im Supermarkt ahnen wir eine Katastrophe auf uns zuschweben. Da rennen Grillwaren einkaufende Oberlausitzer wie angestochen rum – und sehen wie Streuselkuchen aus. Ein Feuerwerk der Neuronenaktivität im Hirn bringt uns zu dem untrüglich trüben Schluss: Das Wasser ist schlecht, die Welt verpickelt. Die nächsten Tage werden Schlagzeilen im Zeitungsblätterwald auftauchen: Blaualgen im Badesee. Oder: Gift in der Neiße führt zu Fischsterben und Akne.
Ein Juckreiz am linken Unterschenkel, der sich selbst mit autogenem Training nicht ignorieren lässt, klärt uns auf: Die Schlagzeilen werden wohl eher von einer unheimlichen und von Marsmänneln eingeschleppten Mückenplage künden. Das jüngste Gericht ist gekommen, in Form kleiner putziger Flugwunderwesen mit Stechsaugrüssel und tongenerierenden Flügelbewegungen: Mini-Musiker!
Aber nach dem sofortigen Blättern in den Blättern uralter Weisheitenaufzeichnungen wissen wir: Grillen hilft. Einmal durch das Feuerchen, dem mit Bierdraufrumgesprühe nette Rauchwölkchen entlockt werden. Aber auch Marinade wirkt – von innen: Gut gewürzt, schmeckt Mücken schlecht, hat schon Oma Erna gesagt. Lange Zeit ahnten wir nicht, wie recht sie damit haben könnte. Und dann gibt es ja noch Alkohol – zur innerlichen und äußerlichen Anwendung. Besoffene Mücken könnten der Partyspaß des Sommers werden.
Auch gegen die infamen Geräusche, ähnlich einer gedrosselten Kreissäge, gibt es Gegenmittel. So jazzen die Pücklerfreunde in ihrem Park, dass den Mückies die Facettenaugen verbeult werden. Auch die Ur-Rocker The Lords kommen bald in die Region. Die spielen ja sicher wieder Poor Boy – was nix weiter als armer Junge heißt. Und laut Erna ist das mit den Mücken, wie mit den Läusen: Bei armen Leuten treten sie nicht in Aktion. Denn Mücken sind, sagt unsere Ausgabe des Meyerschen Tierlexikons: Die Robin Hoods der Lüfte. Sie nehmens nur von Reichen, Parfümierten, Gelackmeierten. Tipp: Lassen Sie sich von wohlhabenden Leuten zum Grillen einladen, nehmen sie nur Chili-Steaks und versuchen sie alkoholtechnisch einen gewissen Pegel zu halten. Es soll ja ein trockener Sommer werden.

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In jedem steckt ein Nostradamus ...
Hier etwas Nostalgie – die wo nie fehl am Platze sein tut. Da noch ein bissl radwuchten – weil doch der Winter rum ist. Und zudem mit amusischer Selbstüberwindung – weil am Wochenende die Ateliers offen sind – haben wir in dieser Woche registrierkassengleich bilanziert: Wir Oberlausitzer sind alle Nostradamus. Immer haben wir gesagt, uns scheint nicht die Sonne aus dem Allerwertesten, aber auf den Oberkopf, weshalb die Solaranlage auf dem Flugplatz Rothenburg nur die logische Konsequenz ist. Nu ham wirs, das Dingens kommt.
Die Vorhersagen enden damit nicht. Da wir kein Geld, aber immer Hunger haben, finden wir den heroischen Einwurf unserer Links-Außen-Spieler mit dem kostenlosen Mittagessen für unseren Nachwuchs nicht umsonst, sonder irgendwie sättigend. Aber wir ahnen da auch was. Denn sofort bruzzeln bei uns die Neuronen: Gilt das auch für Umschüler, Weiterzubildende, Spätabiturienten, Berufsschüler, Azubis, Fortgebildete (die hier bleiben) oder Mitglieder einer Seniorenakademie und Fernstudenten?
Wer bildungshungrig ist, kann auch umsonst, äh kostenlos essen? Wäre toll. Echt. Und im Sinne der sozialen Gerechtigkeit müssen wir sagen: Da wir uns jeden Tag belehren lassen – also unser ganzes Leben lang lernen – können wir auch kostenlos mitessen? Wenn dem so is(s)t, würden wir auf der nächsten Klausurtagungen mit unserem Magen die Aktion gutheißen. Allerdings: Aus einer Weiterbildungsbroschüre nordamerikanischer Wissenschaftler haben wir uns kürzlich vorlesen lassen, dass viele Unerwachsene zu dick sind. Wenn die jetzt alle für lau futtern, wagen wir nostradamusmäßig zu prophezeien: Das fette Ende kommt noch.

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Zaubersee und Herren-Po ...
Gaaaanz dolle heimlich haben wir die rechte große Zehe in den Bärwalder See getaucht. Dann die linke, um in den Zeiten des Wahlkampfes, der Maikundgebungen und der Veranstaltungen für Menschen, die Rechtsausleger sind, einen Ausgleich der Extreme zu schaffen. Ein erhebendes Gefühl – weil es verboten ist.
Noch gilt das Bergbaurecht am Bäri – und die Schilder untersagen uns an vielen Stellen auch nur daran zu denken, unseren Lieblingssee badend in Besitz zu nehmen. Aber da niemand zu sehen war, der uns einen Platzverweis aussprechen konnte, haben wir halt mal den Renegaten, den jungen-alten Wilden, den wagemutigen Freibeuter in uns rausgelassen. Aber eigentlich sind wir wegen einer neuen Internetpräsenz vorbeigekommen, die gar Wunderliches erzählt: „Auch für andere Freizeitaktivitäten – zum Beispiel Inlineskaten, Wandern und Radeln – bietet der nach seiner vollständigen Flutung größte See Sachsens vielfältige Möglichkeiten.“ Grandios. Fantastisch. Was für eine Attraktion. Dschieses rufen in solchen Fällen die englischsprachigen Mystiker. Und wir wollten deshalb die tollen Leute sehen, die auf nem See wandern, mit acht Rollen drüberflitzen oder sogar Rad fahren. Das ist wie Himmelfahrt und Weihnachten an einem Tag. Dschieses halt. Aber nix. Kein Radler auf dem See, nur am Rand lang haben einige Sportfreunde in die Pedalen getreten. Da sind wir auch wieder gefahren, vielleicht zeigen sich die Künstler nicht jedem.
Es gab ja auch andere magische Momente in dieser Woche: Und die Regionalies, also wir alle, haben dafür wieder martialisch das wehrhafte Völkchen raushängen lassen. Den übelsten Inquisitatoren gleich, haben wir den Hexen Feuer unter dem Allerwertesten gemacht. Kurzum, der Sieg war unser, der Winter ist Geschichte. Alles wird gut.
Wie gut alles werden könnte, haben uns die Gewerkschafter erzählt – und wenn man denen nicht zuhört, sondern nur zusieht, überfällt einen folgende Einsicht: Alles gut und schön, aber einem bodenständigen Gewerke gehen die alle nicht nach. Die reden viel. Lass‘ mer se machen. Wir gehn ins Wochenende und zum Supersee. Gucken.
@ www.wsv-baerwalder-see.de

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