Samstag, 31. Mai 2008
Bitte mal nicht so negativ ...
Es gibt zu viele schlechte Nachrichten. Dank der Laktoseallergie lassen wir mal die Milch bei den Bauern versauern. Aber die Nachricht von Gift in Seen gibt uns zu denken. Seicht gestrickte Sachsen haben ihre Buchungen storniert. Sie sind auf den Lockruf eines Skandals hineingefallen, der keiner ist. Denn die Konzentration von Was-auch-immer-die-da-gemessen-haben liegt dermaßen im Mikro-Supermini-Promille-Bereich, dass einfach nüschd von den bewusstseinserweiternden Substanzen zu spüren ist. In einem Selbstversuch haben wir uns die Äuglein am See ausgewaschen, konnten immer noch was sehen, haben also die Kassenbrille theatralisch zerlatscht. Nur hat uns keiner dabei gesehen – was bei der Versicherung vielleicht von Vorteil sein könnte.
Trotzdem haben wir abends geweint, als wir unser müdes Haupt in die grob gewebte Bettwäsche vergruben. Die Welt ist schlecht. Erst am Mittag darauf – vor lauter Ermattung auf der Matte haben wir verschlafen – erlitten wir einen Geistesblitz. Die neue Art der Nachrichtendeutung ist die Verkehrung. Beispiele: Die Arbeitslosenzahlen sind im Mai nicht so stark zurückgegangen wie 2007. In der Verkehrung: Die Joblosenzahlen sind seit 2005 extrem-super-stark zurückgegangen. Die Finanzierungsdebatte um den Kombi-Lohn verhindert das zügige Schaffen neuer Jobs, bedeutet: Wo debattiert wird, gibt es Geld. Oder: Mörserfeuer setzt Lausitz in Brand – ist naturphysiologisch auch als Renaturierung arg verholzter Waldbestände zu deuten. Auch nett: Spielplätze am Stadtrand fallen Vandalen zum Opfer, kann als Aggressionsabbau sozial, materiell und bildungstechnisch benachteiligter Jugendlicher ausgelegt werden. Damit haben wir zugleich das Thema der nächsten Woche abgehandelt: Wahlen und Versprechen. Der Versprecher: Ich bin ein Berliner. Richtig: Ich bin ein Lausitzer.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Ihr Kinderlein ...
Dafür, dass die kleinen Racker angeblich immer weniger werden – wie der Herr Demografie immer betont – wird ganz schön viel Gewese um sie betrieben. Da erfahren wir, dass die Kitas länger geöffnet sein sollten, um die Entwöhnung der Kinder von ihren Eltern voranzutreiben. Wäre es nicht einfacher, den Eltern so viel zu zahlen, dass sie eher nach Hause können? Zugleich ist zu konstatieren, viele Minis nehmen eine birnenförmige Gestalt an und können nur noch Bits und Bytes händeln – aber keinen Ball. Trotzdem wird in dem schnuckeligen „Horke“ ein Bolzplatz für Extra-Kohle gebaut.
Da erinnern wir uns doch mit einem schelmischen Augenzwinkern an die längst verdrängte Kindheit im wilden Osten – und sagen mit fester Stimme: Fordern fetzt, aber mit weniger gehts auch. Wir haben als Racker selbst Bolzplätze gebaut – aber die heutigen Kinder können keine zwei Stöcke als Tor mehr in die Lausitzer Heimaterde kloppen. Oder unsere einstige Rasselbande ist über den Zaun vom Sportplatz geklettert – und hat gespielt, bis der Wach-Hausmeister-Boss uns verjagt hat (was recht amüsant war). Auch müssen wir vorsichtig anmerken, dass wir unsere Eltern natürlich immer hoch geachtet und gerne gehabt haben. Aber wenn in der Kita, im Hort oder nach der Schul-AG keiner von den Erziehungsberechtigten zu Hause war, haben wir nicht heulend am Robotron KC 85 gesessen – da konnten uns die Großmenschen eben mal gerne haben. Wir sind in die Pampa abgerauscht, haben Wasserflöhe gefangen, Buden gebaut und Cowboy und Indianer gespielt. Die Indianer waren oft die dicken Kinder – warum, weiß keiner – aber die hatten auch Spaß... und sind heute zum Teil durchtrainierte Muskelprotze. Ach ja, an die Demografie haben wir keinen Gedanken verschwendet. Zumindest das eint die Kinder über Generationen. Kurzum: Das wächst sich alles noch aus.

... link (0 Kommentare)   ... comment