Sonntag, 26. August 2007
Ausziehen und hierbleiben ...
Wir sollen alle Hüllen fallen lassen, um beim Wettbewerb der 365-Orte-Plus-Eins dabei zu sein. Das ist die Botschaft der Deutschen Bank und vom Bundespräsidenten für 2008 – natürlich nur im übertragenen Sinne. Wer sich präsentiert, wird beachtet – und für die Attraktionen der Region zu trommeln, kann ja nicht schaden. In Weißwasser hat das jedoch ein Typ zu wörtlich genommen – und sich entblößt. Tatsächlich wurde ihm Beachtung geschenkt, von der Polizei. Attraktiv soll er auch nicht gewesen sein. Vielleicht war ja alles ein Missverständnis. Der Polizeibericht spricht von einer Selbstmanipulation – und damit lässt sich jedenfalls kein Wettbewerb gewinnen.
Aufmerksamkeit hat aber auch ein nicht-manipulativer Fall erhalten: Endlich, nach vielem Hin und Her, doch tatsächlich, vermutlich und mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn nichts schief geht oder dazwischen kommt ... wird nun die Sole in Bad Muskau testweise angezapft. Und Sole ist nichts Schlechtes. Mit dem Abpumpen soll Heilwirkung nachgewiesen werden. Am Montag geht es los. Fest steht bislang, dass es salzig wird. Ob sich neben der Heilwirkung auch eine Belieferung von Meerwasseraquarien in der Region entwickelt, bleibt abzuwarten. Hauptsache wir haben bald reichlich Heilbedürftige, die sich hier entblättern, um jünger, schöner und gesünder zu werden. Weil diese Bedürftigen meist bereit sind, für den Traum ewiger Jugend auch tief in die Börse zu greifen.
In die Haushaltskasse wollte der Landkreis auch für Bedürftige greifen, die sich keinen Urlaub leisten können. Doch die Resonanz ist mit einer Person mini-minimal. Vermutlich dachten die finanziell nicht üppig Bedachten: Einem Nackten wie dem Kreis können und sollte man nicht in die Hemdtasche greifen. Apropos nackt: Mit etwas Farbe sind Entblätterte ganz nett anzuschauen sein. Das hat unsere beste Bodypainterin bewiesen.

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Mittwoch, 15. August 2007
Wildgulasch im Kühlergrill ...
Im Polizeibericht heißt es schlicht: „Der Fahrer des PKW Opel befuhr die B 156 aus Bautzen kommend.“ Der Fahrer ist der Autor dieses Beitrags. Es ist Sonnabend, 21 Uhr. Nebelbänke wabern über die abgeernteten Felder an der Bundesstraße 156, es nieselt, Dämmerung zieht auf. Der Fahrer hofft, dass es in Weißwasser nicht regnet – denn an diesem Abend spielt die Böhse Onkelz Cover-Band auf dem Vereinsgelände des Hellhounds-Motorradklubs. Zu diesem Konzert will er.
Zum Jäger mit Widerwillen
Und dann passiert es – und zwar so schnell, dass an Bremsen oder Ausweichen nicht zu denken ist. Ein Reh quert „die Fahrbahn von links nach rechts und es kam zum Zusammenstoß“, heißt es im Polizeibericht. Den Bruchteil einer Sekunde sieht der Fahrer das Reh, bevor es mit einem hässlichen Geräusch gegen den Grill des Geländewagens prallt. Die Erschütterung ist minimal, das Auto schlingert nicht, der Airbag bleibt im Lenkrad.
Bremsen. Einige Meter entfernt ist eine Bushaltestelle. Rechts ran, Warnblinker an, raus aus dem Auto – Schadenssuche. Na ja, die Stoßstange hängt etwas arg schief, das Nummernschild ist zerbeult, Haar- und Blutreste vom Reh kleben im Grill und an den Scheinwerfern.
Anruf bei der Polizei. Erst tönt die Ansage einer Warteschleife. Sekunden später knackt es kurz, ein Polizeibeamter meldet sich. Kurze Erklärung: Was, wann, wie, wo mit wem geschehen ist. „Sichern Sie die Unfallstelle“, sagt der Polizist. Geduld solle man mitbringen, die Kollegen hätten viel zu tun. Gut. Motor aus, am Straßenrand zurückgelaufen. Das Reh ist nicht zu finden, nur etwas Blut. Es wird dunkel. Warten. Das Mobiltelefon klingelt. Noch mal die Polizei. „Ist Ihr Auto fahrbereit?“, fragt der Polizist. Eine Stunde werde es dauern, bis Kollegen am Unfallort seien. „Sie könnten den Unfall beim Revier in Weißwasser aufgeben.“ Ja, klar. Der Puls kommt auf den verbleibenden 26 Kilometern zur Ruhe. Auf dem Revier läuft alles routiniert ab. Dass der Polizist nach der Besichtigung der Schäden genau wissen will, wo es passiert ist, hängt mit der Statistik zusammen. „Häufen sich Wildunfälle an der Stelle, kommt ein Warnschild hin“, sagt er. An rund 30 Stellen in der Region sind die zu finden.
Das Konzert findet ohne diesen Opel-Fahrer statt. Die Reparatur dauert laut Werkstatt wohl drei Tage. Die Selbstbeteiligung der Teilkasko liegt bei üblichen 150 Euro. Am frühen Morgen haben Jäger das Reh mit Hunden entdeckt.

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Egon und Ilek sind toll ...
Wer eine Fußhupe hat, weiß wie leicht die verloren geht – die darf man nicht von der Leine lassen. Einer Schaustellerin beim Rothenburger Stadtfest ist genau das passiert. Dackel Egon ist plötzlich weg – der Fahndungsaufruf in der Zeitung bringt zwei Tage später die vermisste Fußhupe zurück auf die Bretter der Welt. Auch wenn die reisenden Schausteller längst weiter gezogen sind. Ja, es gibt noch gute Menschen, die eine verlorene Fußhupe zurückgeben. Das ist nicht selbstverständlich.
Denn irgend jemand scheint im Bärwalder See den Stöpsel nicht ordentlich eingepfropft zu haben, der See ist leck, läuft ab. Und das verlorene Wasser kann ohne fluide Geschenke der Talsperrenverwaltung auch nicht wieder aufgefüllt werden. Deshalb ergeht folgender Hinweis an alle Seefreunde: Geht sparsam mit dem Wasser um, wer weiß, wann Nachschub kommt.
Mit Nachschub scheinen indes die Kinder und Jugendlichen kein Problem zu haben – zumindest, was das Taschengeld angeht. Die haben heute zwischen 15 und 20 Euro pro Monat zur freien Verfügung. Das rechnen wir Ossis natürlich noch grob um: Ein Euro sind zwei D-Mark. Zwei D-Mark sind mindestens zehn Blechmark. Das bedeutet: Kinder von heute erhalten die irre Summe von etwa 200 Mark pro Monat. Bei einem Ossi-Einkommen eines voll berufstätigen von 900 Mark spricht das für äußerst spendable Eltern. Die Kinder sollten also Danksagungen formulieren und in prosaischer Weise ihren lieben Eltern vortragen.
Ebenfalls eine prächtige Danksagung ist bei unserem neuen Kumpel Ilek angebracht. Der will zum Beispiel als Finanzier auftreten für die „Umnutzung ländlicher Bausubstanz“. Natürlich fragen wir bei neuen Freunden nach: Hä? Was issn das? Werden jetzt Felder zu Gewerbegebieten, oder Bauernhöfe zu Schiffswerften oder Scheunen zu Schalterhallen für Banken? Egal. Ilek scheint ein dufter Typ zu sein. Und wenn er hier investieren will, kann er das natürlich gerne tun – so lange es in sein Integriertes Ländliches Entwicklungs-Konzept passt.

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Freitag, 27. Juli 2007
Der Bauer steht nicht weit vom Feld!
Wir sind die Wüste! Als eher wüste Landburschen und burschikose Landdamen sind wir Oberlausitzer ja schon oft von Ballungszentren-Bewohnern bezeichnet worden. Aber nun haben wir mit höchstmöglicher Verwunderung feststellen dürfen: Im aller-aller-aller-neuesten sächsischen Agrarbericht steht, dass unsere Bauern es echt schwer haben, ob der sandigen Böden. Und dann wird da wissenschaftlich präzise, mit messerscharfer Logik, ergänzt: Das Wasser, welches der Himmel in Form von Regen spendet, sickert sofort in unendliche Tiefen. Deshalb gebührt unseren Bauern aber so was von Respekt. Na, Gratulation an die Elbestadt-Landespolitiker: Kaum lassen sich mit der Klimawandeldiskussion Punkte sammeln, ist unser Boden ein Thema. Dabei finden wir unsere Wüste gar nicht so übel – solange wir schmatzende Moore, schlingende Sumpfpflanzen und sirrendes Feuchtgebiets-Getier haben, der Bärwalder See nicht aus- und der Wolf nicht auf unserem Truppenübungsplatz antrocknet. Deshalb sind wir Ossi-Ost-Sachsen auch in penetranter Urlaubsstimmung: Es ist ja hier fast wie in Mallorca, nur ohne Ballermann. Nur Jäger und Polizisten haben hier solche Schießeisen.
Egal. Touristen strömen karawanengleich mit ihren Caravans zu uns. Deshalb haben wir jetzt reagiert und ein neues Häuschen mit voller Besetzung ins Biosphärenreservat gestellt. Sogar am Sonntag – wo der Oberlausitzer sich die Sonne auf den Pelz brennen lässt – können die Touris sich jetzt über die Wüste und ihre Feuchtgebiete informieren. Eigentlich ist die ganze Welt in der Oberlausitz. Wozu verreisen? Noch dazu, wo Bad Muskau nun als Kultur-, Erbe-, Heil- und Kurort mit Millionen Euro auf Hochglanz poliert wird. Es ist ein einziges Fest der Investitionen, das da auf uns zurollt. Irgendwann verlangen wir direkt an A 4 und A 13 Eintritt für die komplette Oberlausitz. Dann werden wir unsere Wüste in Gold versilbern lassen. Ihr werdet es schon noch merken!

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Wachstum verpflichtet - zu gar nichts!
Wir haben lange zugesehen – und geschwiegen. Jetzt muss es raus: Hey Görlitz, Löbau-Zittau – wir NOLer kommen. Ihr könnt euch nicht verstecken, denn die Kreisgebietsreform im nächsten Jahr kommt von den Oberchefbossen aus Dresden. Und ihr solltet lieb zu uns sein, weil wir nicht nur gut aussehen, sondern auch eine gute Partie sind. Ach ja, selbstbewusst sind wir auch, weil wir ’ne Menge einbringen. Wir haben die Wölfe, die Füchse, den Plan. Letzterer verteilt zehn Millionen Euro. Und da wir NOLer nicht nur mit den Polen, Brandenburgern und Krabat gut können, geben wir von unserem Geld auch was für Projekte, die euch nutzen. Toll oder? Ihr bekommt das doch sonst mit dem Industriemuseum, den Kreisstraßen und dem Berzdorfer See nicht hin. Abgesehen davon fahren wir auch gerne ins Zittauer Gebirge, hängen unsere Herrnhuter Sterne im Sommer auf die Terrasse und sind bei Sommertheater oder Tippelmarkt ständig präsent. Kurzum, wir mögen euch. Willkommen!
Gut, alles läuft hier nicht rund, aber wir arbeiten dran. Wir haben zu wenige Kinder. Die wachsen zwar prächtig, aber unsere Wirtschaft nicht so richtig. Da müssen wir noch etwas nacharbeiten. Aber politisch sind wir doch herrlich aufgestellt. Das hat auch euer Landrat Vallentin eingesehen. Unser Chef würde euch selbstlos mit verwalten. Und die Görlitzer könnten sich dann noch mehr um die Kultur kümmern. Kulturpolitik ist ja auch wichtig. Jeder sollte das tun, was er am besten kann, nicht wahr?
Ohnehin haben wir die jetzige Entwicklung schon seit Jahren so kommen sehen. Deshalb haben wir auch keine breite Straße von Ost nach West. Nur auf Nord-Süd haben wir gesetzt. Wir wollen nicht Dresden, Bautzen, Kamenz – nein, wir wollen euch. Also rauft euch zusammen und stellt euch hinter uns an. Wir wachsen zusammen weiter.

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Nackte Zahlen - nur!
Heidewitzka. Wer Zahlen sammelt, ist in dieser Woche auf seine Kosten gekommen. 20 000, 555, 1 100, 8, 13, 100 – um nur einige zu nennen. Sie stehen für die Anzahl der Gäste bei den Besuchertagen am Bärwalder See, das Jubiläum in Weißkeißel, die finanzierbaren Projekte der LOS-Initiative, die Startzeit des Bahnstreiks am Dienstag, den magischen Freitag und den Unkostenbeitrag für Schülerreisen, um in den Ferien mehr als das Fernsehprogramm zu erleben.
Und was haben die Zahlen gemeinsam? Nun, sie stehen für die Erfolge in der Region – aber in ihnen wohnt auch ein Ärgernis. Denn der Bahnstreik erwischte manchen überzeugten Mitfahrer kalt – weil die Informationen am Bahnhof – nun ja – „unzureichend vorhanden“ waren. Am eigenartigen Freitag XIII hat eine Fotokollegin ihre digitale Arbeitsausrüstung zu Hause vergessen, als sie zum Termin Wolfsradwegübergabe gefahren ist. Hoffentlich hat sie mit der geborgten Knipsbüchse gescheite Resultate erzielt. Zumindest ist das oberlausitzerische Abendland nicht untergegangen– denn die Zeitung liegt ja heute vor Ihnen. Aber auch bei den Besuchertagen am Bärwalder Vorzeigesee wäre besseres Wetter angebracht gewesen. Und auch die Weißkeißeler Räte sind sicher nicht froh, 1 294 Euro für eine rechtliche Auseinandersetzung bei den Bauaufträgen für das gestern Abend eingeweihte Gemeindehaus auszugeben. Die Projekte von LOS sind zwar nett, aber aus der Region melden sich dafür zu wenige Engagierte. Und mal ehrlich. Wenn Schüler „ab 100 Euro“ in die Ferien fahren dürfen – also nix billigeres zu haben ist –, dann darf ihnen der gesteigerte Fernsehkonsum nicht übel genommen werden.

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Samstag, 9. Juni 2007
Von Bong und Job ...
Das war eine arbeitsreiche Woche. Wir Schreiberlinge wollen uns da gar nicht so wichtig nehmen, aber die Themen – herrje: Arbeit ist wieder in aller Munde. Da gibt es den Tag der Ausbildung, damit die jungen Leute ohne Zeitverzug malochen können.
Und auch für junge Leute mit Problemen, die über Pickel in der Pubertät hinausgehen, gibt es Hoffnung. Wer durch Mundraub an der Obsttheke im Supermarkt oder dem Hang zum Inhalieren von Grasprodukten mittels Pfeife, selbst-gedrehter Zigarette oder Bong (eine Art Wassereimer, der aus gesundheitlichen Gründen den bewusstseinserweiternden Rauch abkühlt) wenig positiv aufgefallen ist, hat trotzdem eine Chance. Und zwar mit einer Kompetenzagentur, die ja mit ihrer Namensgebung Hoffnung weckt.
Kompetenz hat auch unsere sozialste Sächsin bewiesen – indem sie Spenden in Höhe von 229,48 Euro für das Müttergenesungswerk gesammelt hat. Nicht schlecht. Aber auch nicht so richtig viel. Ohne Komma in der Zahl hätte jeder Weißwasseraner einen Euro gegeben. Hoffen lässt da nur, dass wir besser als die „gomischn“ Dresdner sind – die geben pro Kopf noch weniger. Wer trotzdem ein schlechtes Gewissen bekommt, weil ihm die Sonne aufs Oberstübchen brennt und seine Heimat wie ein Urlaubsparadies wirkt, kann seit dieser Woche Naturalien spenden. Und zwar für Rothenburg. Dort gibt es immer mehr Bedürftige, die sich an der neu eingerichteten Tafel das Lebensnotwendige abholen können. Wir sollten sie nicht im Stich lassen.
Wer sich hingegen sattsehen will – weil er sich an heimischen Produkten laben konnte – schaut über Pfingsten in den Galerien und Ateliers vorbei. Dort sind unsere Besten zu sehen. Ausnahmsweise mal nicht Sportler, Politiker und Neunmalkluge, sondern Künstler. Trotz mieser Arbeitsplatzlage haben wir Lausitzer Schöngeister zu bieten.

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Hey, keine Klagen!
Nachdem ungewöhnlich lange Zeit ungewöhnlich wenig Ungewöhnliches in Sachen Lausitz-Wolf passiert ist, erhöhen nun die Dauban-Elche ihren Spieleinsatz um die Gunst der Leute. Sie haben vier neue – auch wenn zwei aus Thüringen und Berlin kommen. Das lässt hoffen: Vielleicht gibt es hier bald so viele Elche, dass die Wölfe diese nahrhaften Fleischbergreserven anknabbern können, wodurch das eine oder andere blöde Schaf weiter blöken kann – und alle hier zufrieden sind. Also Wolf: Bitte melde dich!
Zu Wort gemeldet hat sich auch eine bunt zusammengewürfelte Truppe namens Lausitz-Forum. Das klingt nach Reden, die beredt geredet werden. Aber wir haben mit an Bewunderung grenzender Begeisterung festgestellt – die wollen tatsächlich was für Jugendliche tun, sind einzeln längst aktiv und wollen sich nun verbünden, wie die Ritter der Tafelrunde.
Wie ein Ritter der traurigen Gestalt fühlt sich derzeit so mancher Kleingärtner. Da gammeln die Erdbeeren doch noch am Strauch weg, der Witterung sei Dank oder eben Undank. Der beste Tipp dazu: Auch angegammelte Erdbeeren schmecken in einem gekühlten Weich-Getränk (Softdrink), sofern genügend Alkohol beigemischt ist.
Als wahrhaft fleißige Erdbären haben sich indes sämtliche Boxberger Beteiligten gezeigt, die als plastische Chirurgen das Projekt Ohr bis zu den Besuchertagen im Juli begehbar herrichten. Klingt für Unkundige nach einer irren Idee, aber wenn Kino, Theater und Festivitäten aus und in dem Ohr schalmeien, werden die Touristen nicht nur wegen der süßen Wölfe kommen.

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Samstag, 13. Januar 2007
Nachschlag ...
Offensichtlich steckt in jedem hier ein Überflieger. Selbst in aussichtslosen Zeiten: Ganz Deutschland stöhnt unter den Lasten von Globalisierung, Regenwetter, Steuern oder Nachwehen der Weihnachtsvöllerei. Nur wir nicht.
Wir treiben Sport. Und dabei kommt Nachwuchs zutage. Die Zeitungswoche ließ sich gut an, mit jungen Müttern, die sich Gesundheit für das Kleine wünschen und nicht etwa Computerspielkonsolen – obwohl sie die vom nun höheren Elterngeld vielleicht kaufen könnten. Doch Ballerspiele machen ballaballa und locken nur das Kriminelle im Kind hervor. Wir sind da klüger. Na gut, irgendwann muss es mal ein Computerspiel in unserer Region gegeben haben – für die Politiker den Schimpfkosenamen „ländlicher Raum“ benutzen. Es gibt hier auch mal nicht ganz so gute Kinder, die größer werden und dann das produzieren, was wir sonst zur Düngung des ländlichen Raumes verwenden. Aber: Hier werden Brandstifter, wie die vom Supermarkt in Rothenburg, flugs geschnappt und verurteilt. Ob das mit der geretteten Polizeifachschule zusammenhängt, bleibt natürlich Spekulation.
Egal, Gerechtigkeit ist bei uns ein Markenzeichen. Wenn Teile unserer Heimat in Kohleöfen von Energieriesen verfeuert werden, wollen wir was abhaben. Unser Glaube an den großen Bruder Wasserfall ist zwar stark beansprucht, aber ungebrochen. Nicht jeder Ein-Mann-Subunternehmer in unseren Breiten erhält jeden Auftrag, den es zu vergeben gibt – aber der gute alte Vatti springt ein, und wirbt wieder um hiesige Unternehmer, die sein Imperium in Boxberg weiterbauen sollen.
Wenn das so weitergeht, exportieren wir uns selbst. Unsere Wölfe halten es ja auch so. Die schicken ihren Nachwuchs in alle Himmelsrichtungen. Allein der Gedanke, wie Dresdner oder Berliner Angesichts unserer Isegrimms aus der Städterwäsche gucken, lässt uns den ländlichen Raum einfach liebhaben.

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Samstag, 16. Dezember 2006
Primitiver Spaß und Selbstdarsteller ...
Ja, es war grandios. Ja, es verursacht Herzklopfen. Ja, es ist allumfassender Unsinn. Wer ein geländegängiges Fahrzeug hat, wird unweigerlich dessen Andersartigkeit kennenlernen wollen. Ist natürlich, nachvollziehbar, rational. Doch in einer Welt voller ausgebauter Straßen ist das nicht so einfach - es führt nur der Weg in die Illegalität zu angedeutetem Testerlebnis. Außer, ja außer die Lausitz ist die Heimat des Geländewagenbesitzers. Denn dann hat dieser viel Land, wenig Menschen - und sogar die eine oder andere mesolegale Teststrecke, will heißen: Ihr dürft da fahren, aber auf eigene Verantwortung. Das ist äußerst sinnvoll, denn so überlegt auch der Ungestümste, ob er allein und verlassen in irgendeiner tiefen Senke stecken bleiben oder bei einem galanten Überschlag sein Mobil verlieren will.
Und wirklich, es ist toll. Dieser Dreck (außen), diese Kraft (Auto), diese Macht (Fahrer) - herrlich. Schier unüberwindbare Hindernisse können diese Dinger bewältigen. Der Autor erinnert sich noch an seine Bundeswehrzeit, als er einen geländegängigen Krankenwagen gefahren hat - und eine entsprechende Fahrschulausbildung genießen durfte (danke BW). Es gibt einige Regeln, die dann auf der Strecke wieder ins Bewusstsein gelangen (nur Kuppeln, wenn der Gang gewechselt wird / schnell hoch, langsam runter / das Auto hat physikalische Grenzen). Also zuerst eine kleine Rundfahrt auf dem bislang unbekannten Gelände bei einer Kiesgrube nahe Boxberg/O.L. - faszinierende Hügel, Sand, Schlamm, Pfützen - und das alles nicht wie auf dem Zufahrtsweg einer Gartensparte: Pfützen sind hier auch mal 50 Zentimeter tief und 20 Meter lang, der Schlamm ist 30 Zentimeter tief (wenn die Räder zur Hälfte weg sind, gibt es wirklich ein Problem), der Sand ist tückisch, bringt selbst das Geländefahrzeug schneller zum Stehen, als zu vermuten, die Hügel sind so steil ansteigend, mit so fiesen Kuppen und eingebauten Kuhlen ausgestattet, dass das Verhängnis beständig an der Türe klopft. Also ruhig Blut, erst mal eine Runde, quasi neben der Strecke. Die Gedanken wechseln zwischen machbar und hey, unmöglich. Stück für Stück wird sich mehr zugetraut, das Automobil ist hier tatsächlich erfahrbar. Und die Resultate unglaublich. Die Front jagt hoch in den Himmel, das Erreichen des Abgrunds ist nur abzuschätzen. Der Unsicherheitsfaktor: Wie lang ist der Geländewagen, der Radstand? Denn zwischen den Aufwerfungen mit Front- und Heckschürze hängen bleiben, ist nicht unmöglich. Und dann die Wasserlöcher. Es ist ja nicht zu sehen, wie tief sie sind, was da so alles drinnen ist - zu viel Schwung ist gefährlich (das Auto schwimmt auf, Kontrollverlust), zu wenig Schwung ist gefährlich (Steckenbleiben). Auch die Neigung ist schwer abzuschätzen, denn Wasser bildet nun mal eine spiegelebene Fläche (umkippen ist bei entsprechendem Untergrund also durchaus möglich. Langsames Herantasten, erst entlang der Ränder (das Kipprisiko ist das geringste Übel). Hoch, runter, schüttel, ächts - ja, der Geländewagen gibt tatsächlich Zeichen, trotz seiner robusten Konstruktion. Und immer die bange Frage, wie ist es denn um den Wagen bestellt? Ist er nun ein Geländewagen, der innerlich über die Strecke lacht, oder ist er schon bei diesem Spiel an den Grenzen (es fahren ja genug Spielzeuggeländewagen herum). Die bewegendste Frage auf der Strecke: Was, wenn das Mobil stecken bleibt? Es wäre natürlich klüger, nicht alleine, nicht nur mit einem Mobil auf die Strecke zu gehen - der geländewagenmobile Kamerad könnte den unfreiwillig Gestoppten rausziehen. Aber woher einen Gesinnungsgenossen nehmen? Also alleine. Hat natürlich einen zusätzlichen Reiz und verhindert zudem, ein (zu) hohes Risiko einzugehen. Der Spaß ist riesig - auch wenn diese Aktion im Großen und Ganzen zweckfrei ist. Denn in Sachen Fahrzeugbeherrschung, Fahrsicherheit, Reaktionstest etc. ist so ein Ritt nicht mit den Anforderungen auf der Straße in Extremsituationen zu vergleichen. Wozu überhaupt ein solches Mobil? Klar, die Übersicht im Straßenverkehr ist genial. Zudem wird der Geländewagenfahrer zu einem ruhigen und besonnenen Fahrzeugführer - es geht ja auch nicht anders. Aber letztlich ist so ein Gerät Quatsch, denn der größte Pluspunkt, Höhe und daraus resultierende Übersicht bieten auch andere Fahrzeuge. Und die sind in Sachen Fahrsicherheit auf der Straße um einiges besser. Und doch, wenn etwas so viel Freude und Glücksgefühle verursachen kann, ist es wohl nicht schlecht. Etwas Unvernunft, oder etwas kontrolliert-begrenzte Unvernunft macht das Leben erst lebenswert.

Beim Schreiben dieser Erfahrung drängt sich nun - es ist nicht das erste Mal - der Gedanke auf, warum wird das hier ins Netz gepickert? Was in aller Welt sind Blogger? Irgendwelche Menschen, die keine Freunde haben, denen sie ihr Leben und ihre Gedanken mitteilen können? Menschen, die glauben, wichtiges Wissen mitteilen zu müssen? Menschen mit einer Sendung, einem Auftrag, einer Mission? Einige Blogs lesen sich so - und selbst? Hofft der Autor, dass seine Zeilen gelesen werden? Will er etwas erreichen? Und wenn nicht, was soll das dann?

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Samstag, 2. Dezember 2006
Jagdfieber, Jagdfieber ...
Frühmorgens war es. Kalt war es. Einsam auch. Auf irgendeinem Hochstand inmitten der Oberlausitzer Wälder, im Dezember 2006. Der Boden gefroren, der Wind scharf aus Südost. Ansitzdrückjagd haben es die gut 40 Jäger genannt. Und das heißt vor allem warten, still und konzentriert sein, den eigenen Herzschlag in den Ohren hören. Ob Wild in Schussweite vorbei streift, weiß keiner, ob überhaupt Wild in dem Gebiet ist, auch nicht. Warten. Innerliche Gratulation, dass der dicke Pelzmantel angezogen wurde - auch wenn es um die fünf Grad Celsius Plus ist. Die Hände bleiben nackt. Mit etwas Fantasie lässt sich beobachten, wie die Haut rissiger wird, durch den räudig kalten Wind. Es ist ein verdammt zeitiger Sonnabendmorgen. Viereinhalb Stunden Schlaf sind auch nicht gerade üppig. - Musste die Weihnachtsfeier ausgerechnet gestern stattfinden? - Kein Wild zu sehen, nur ein Jäger in 100 Meter Entfernung auf dem nächstgelegenen Hochstand - aber auch nur, weil er eine grellorangene Kappe trägt, sonst würde der dunkelgrüne Anzug ihn komplett mit der Umgebung verschmelzen lassen. Geradeaus liegt eine Schneise zwischen den jungen Birken. Vor 14 Jahren hat es hier gewaltig gebrannt. Die Natur heilt sich selbst, nur einige Schneisen bleiben eben - da sind die Räumgeräte durch, um dem Feuer die Nahrung abzuschneiden. Rechts zieht sich ein 40 Meter breites baumloses Band durch das Revier. Am Ende, in 16 Kilometer Entfernung ist die Stadt Weißwasser zu sehen. Dort schlafen die meisten Leute noch. Dann fällt der erste Schuss, gar nicht weit. Ein Knall, der so gar nicht wie im Kino klingt, irgendwie unecht. Ist aber echt - vielleicht der erste Abschuss an diesem Tag. Dann folgt Hundegebell, nicht aggressiv, eher freudig. Vermutlich eine Spur, die der vierbeinige Kollege aufgenommen hat. Zehn Minuten später rast er in Sichtweite am Hochstand vorbei. Schwer hat es der schwarzweiße, kniehohe Jagdhund. Das Wildgras ist hier hoch, er muss ständig springen, um voran zu kommen. Dann ist wieder Ruhe. Aber nur äußerlich. Im Inneren rechnet der Wartende damit, dass jeden Augenblick ein jagdbares Wild zwischen dem Unterholz durchbricht. Doch es passiert nichts. Irgendwo müssen die Treiber sein - der Hund gehört einem von ihnen. Dann flitzt ein Reh über die breite künstliche Lichtung. Völlig geräuschlos, nur ein Schatten im Augenwinkel hat es verraten. Der Jäger legt an. Doch das Reh ist zu schnell im Unterholz verschwunden. Doch die Schneise vor ihm lässt hoffen. Das Gewehr im Anschlag, die Atmung gezwungen ruhig. Das Zielfernrohr streicht über den Waldrand. Dort muss das Reh warten. Es weiß, dass die Lichtung Gefahr bedeutet. Kein Hundegebell, kein Treiber, das Reh bleibt verschwunden, kreuzt nicht die Schneise, die leicht mit dem todbringenden Blei zu bespucken wäre. Nach Minuten wird geräuschvoll ausgeatmet. Das Atmen wird einem erst jetzt wieder bewusst, erst jetzt wird tief Luft geholt. Warten. Zeit, die verpasste Chance auszuwerten. Das Reh war nur kurz zögerlich, aber da stand es zu weit rechts vom Jäger. Der ist Linkshänderschütze, kommt nicht ganz rum - weil halt noch einer mit auf dem Hochstand sitzt. Schuldgefühle beim Beisitzer. Andererseits hat so das Tier überlebt. Für und Wider. Es gibt zu viel Rehe und Rotwild für das Gebiet. Es frisst sich gegenseitig die Nahrung weg, geht dann an die Rinde der Bäume, schädigt das Ökosystem. Die Kulturlandschaft zieht bei aller Weitläufigkeit für das Wild Grenzen. Da eine befahrene Bundesstraße, da eine Siedlung, gar eine Stadt, dort ein Fluss. Zu viel Wild. Nicht alles dürfen die Jäger an diesem Tag schießen, es gibt Schonzeiten und regionale Verbote. Und wer ein wertvolles Tier erlegt - zum Beispiel einen kapitalen Hirsch - der muss dafür bezahlen. Er ist dann im Verkauf mehr wert, aber erstmal muss der Jäger ihn bezahlen. Von 200 Euro war die Rede. Wie viele von den 40 Bewaffneten würden schießen, um das Wildbret zu erhalten? Am Ende der Jagd wird sich zeigen, dass keiner der Schützen sein zur Strecke gebrachtes Wildtier behält. Jagd, Schuss, Lob, Aus. Die ersten 45 Minuten sind um. Wieder ein Schuss, gleich danach noch einer. Kino im Kopf - vermutlich hat der Schütze das Tier nicht richtig getroffen, musste noch mal draufhalten. Danach wieder Stille. Vögel zwitschern in dieser Jahreszeit nicht mehr. Das einzig beständige Geräusch verursachen die Autos auf der Betonplattenstraße in drei bis vier Kilometern Entfernung. Der Wind kommt jetzt in kräftigen Böen, dann ist es minutenlang fast windstill. Dann ist es fast warm. Die Sonne scheint, keine Wolke am Himmel. Wieder ein Schuss - erschrocken zusammengezuckt. Es war der Jäger in Sichtweite. Sein Standort ist günstiger, er blickt direkt auf eine lange Schneise, auf die Treiber eventuelles Wild scheuchen. Der Rauch aus der Mündung des Gewehrs ist zu sehen, bevor der Schuss zu hören ist. Stille. Die Hochspannungsleitungen über dem Hochstand klacken ab und an. Bis das Geräusch identifiziert ist, hört es sich wie ein Wildtier an, das durchs Unterholz stakt. Dann kommt tatsächlich ein Reh. Es spurtet nicht all zu gehetzt über die breite Schneise, bleibt kurz am Rand des Wäldchens stehen. Der Jäger legt an. Was geht in ihm vor? Er wartet. Das Reh ist zu sehr in einer Linie mit dem nächsten Jäger auf dem Hochstand. Kein Risiko, ist die Devise. Alles spielt sich in Sekunden ab. Das Reh geht durch das Wäldchen, taucht aber nicht an der erwarteten Stelle bei der nächsten Schneise auf, es hat einen kleinen Bogen geschlagen. Wieder verharrt es kurz, läuft weiter, wartet kurz. Fast optimale Schussbedingungen, nur eine krüppelige Kiefer verhindert das gänzlich freie Schussfeld. Der Jäger zielt und zielt. Er könnte schießen, tut es nicht. Die Äste der Krüppelkiefer bewegen sich im Wind. Streift das Projektil einen Ast, ist kein sicherer Schuss möglich, das weiche Blei an der Spitze des Projektils würde sich verformen, vielleicht sogar aufsplittern - jedenfalls ist kein sicherer Schuss möglich. Und weg ist das Reh. Ein anderer Jäger hätte vielleicht geschossen. Es ist nicht ehrlos, daneben zu schießen - zu viele Faktoren entscheiden über Treffer oder Nichttreffer. Nur Anschießen, das Wild verletzen, ohne es zu töten - das wird nicht gerne gesehen. Humane Jagd also. Zumindest soweit möglich. Die Entscheidung fällt in Sekundenbruchteilen, wäre das Reh einen Meter eher angehalten, wäre es jetzt tot. So ist es entkommen. Nach 90 Minuten wird es zunehmend kalt an den Füßen und Beinen, trotz der mitgebrachten Decke. Die Hände sind sowieso eiskalt, genauso wie die Ohren und die Nase. An der bilden sich in immer kürzerer Zeit glasklare Tropfen - obwohl der Nasenträger keinen Schnupfen hat. Das Taschentuch ist in der Hosentasche. Unerreichbar auf dem engen Hochstand, mit der winterfesten Verpackung. Während das Taschentuch herausgefummelt würde, könnte alles mögliche passieren. Und Bewegung verrät den Jäger. Zur Stille gehört auch eine fast 100-prozentige Bewegungslosigkeit. Warten. Mit den Minuten verrinnen auch die Chancen, dass noch mehr Wild auftaucht. Zweieinhalb Stunden ist Feuer frei. Danach ist Schluss. Jagd besteht aus Regeln, vielen Regeln. Wieder Hundegebell. Wieder hat einer eine Spur, verfolgt sie freudig. Will dem Herrchen dienen - ohne an Stolz einzubüßen. Jagdhunde sind anders als Haushunde. Sie ähneln mehr selbstbewussten Katzen - nur dass sie die befohlene Aufgabe als ihre Aufgabe betrachten. Das Herrchen erlaubt ihnen die Jagd auf das Wild, sie folgen ihrem Trieb, aber kontrolliert, irgendwie professionell. Es gibt kein Herumtollen. Jagdhunde kläffen nicht, sie bellen. Dann ist ein Glöckchen zu hören. Erst ganz leise, könnte auch eine Sinnestäuschung sein. Dann deutlicher. Ein Treiber kommt mit seinem Hund. Wenn der Treiber durch ist, kommt wohl kaum noch Wild vorbei. Zwei Chancen gab es - keine Supermöglichkeiten, aber doch Chancen. Ob es noch eine dritte geben wird? Die Füße sind mittlerweile verfroren. Auch der Allerwerteste schmerzt langsam - das Hochsitzbrett ist eben hart. Die Kälte zieht in den Nacken, der langsam verkrampft - vermutlich die normale Muskelkontraktion aufgrund der Kälte. Die Finger schmerzen auch. Doch Handschuhe anziehen wäre Humbug, dann wäre die Jagd vorbei. Jetzt einen heißen Tee. Das wäre was. Auch der Magen meldet sich in immer kürzeren Abständen. Das Frühstück wurde in Dunkelheit eingenommen und nun ist fast Mittag. Die Sonne scheint zwar ungehindert, aber sie leuchtet nicht dunkelgelb. Es ist eher so ein blasses, kraftloses Gelb. So richtig gibt sie keine Wärme, das ist wohl eine Sinnestäuschung, die letzte Erinnerung an den Sommer. Trotzdem, im Schatten, im feuchten Unterholz will man auch nicht rumstehen. Dann schon lieber auf dem zugigen Hochsitz. Dann ist die Zeit um. Zwei Minuten bis zum Schussverbot. Der Jäger holt die Patrone aus dem Lauf. Durch das Klacken wird das vermutlich schon zu anfangs gesichtete Reh aus dem Unterholz getrieben. Jetzt geht es ganz schnell. Durchladen, anlegen - und - zu schnell. Das Reh ist über die breite Schneise hinweg, ins Unterholz. Das war wieder knapp. Sekunden später kracht noch einmal der Schuss vom nächsten Jäger. Durch sein Schussfeld müssen sie alle. Doch auch er hat nicht getroffen. Ein sehr schönes Reh war das. Vielleicht ist es besser so. Dann ist die Jagd vorbei. Die Treiber und Jäger werden wieder eingesammelt. Der nächstgelegene Jäger hat tatsächlich ein Reh geschossen, mit einem perfekten Plattschuss. Die Eintrittswunde ist kaum zu sehen. Dafür hat das Projektil beim Austreten aus dem Reh ein handtellergroßes Loch gerissen. Der Jäger hat es schon aufgebrochen. Die Innereien liegen im Gras. Er scheint geübt, es gibt keine Einzelstücke - es ist eher wie eine organische Batterie mit einigen Kabeln, die jemand aus der Maschine Reh genommen hat. Die Zunge des Rehs hängt seitlich aus dem Maul. Die Augen sind starr, aufgerissen und glasig - die riesigen Pupillen haben einen Stich ins grünliche. Es könnte aber auch das Gras sein, dass sich in ihnen spiegelt. Der Boden ist voller Blut - aber weniger als gedacht. Es muss sofort tot gewesen sein, fiel einfach um, so die Jagdkollegen einstimmig. Der erfolgreiche Jäger ist sichtlich stolz - versucht aber seine Freude über den guten Schuss hinter professioneller Geschäftigkeit zu verbergen. Aber in ihm tanzt es, das ist doch zu sehen. Er hat ein sehr schönes Gewehr. Das Holz ist fein gemasert, die Mechanik glänzt mattsilbern. Und das Gewehr sieht mächtig aus, nicht groß, aber dominant. Der Jäger ist klein, trägt eine Brille und ist Doktor für irgendwas. Dann geht es zurück an den Sammelplatz. Nach einer halben Sunde sind alle wieder beisammen, auch die Treiber. Nur ein Hund fehlt, der jagt noch, weiß wohl nicht, dass jetzt Schluss ist, scherzen die Jäger. Ein Feuer haben emsige Helfer entzündet - es ist unglaublich professionell in den Waldboden gegraben, mit Erde drumherum, selbst die Holzscheite liegen wie auf einem Lehrbuchbild. Am Rand des Sammelplatzes steht ein Imbisswagen. Es gibt Kaffee, Cola, Bier, Saft, Bratwurst - und Wildgulasch. Zehn Meter entfernt ist ein Platz mit Tannenzweigen ausgelegt. Drei Rehe liegen darauf. Neun Schüsse sind an diesem Jagdtag gefallen. Die Jäger hätten sich mehr Beute gewünscht - aber es gab auch schon Jagten ohne einen einzigen Abschuss. Viele haben gar kein Wild zu Gesicht bekommen. Die Treiber sind durchgeschwitzt. Es war ein guter Jagdtag. Vor allem das Wetter. In den kleinen Grüppchen um das Feuer wird wenig Jägerlatein erzählt. Eher geht es um Ausrüstung, was heute erlebt wurde, wie es diesem und jenem Bekannten geht. Sie scheinen froh, hier gemeinsam unterwegs gewesen zu sein. Dann wird mit etwas Ritual und wenig Tamtam die Ehrung der erfolgreichen Schützen durchgeführt. Die Hornbläser beenden die Jagd. Die Wildgulaschsuppe war vorzüglich.

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Montag, 20. November 2006
Urlaub ergo sum ...
Es ist geschafft. Eine äußerst anstrengende Zeit vorbei. Zwei Wochen frei. Das reimt sich. Warum auch nicht, es geht um mich. Was sich allerdings am ersten Urlaubstag herausstellt, ist folgendes: Wie immer zu viel vorgenommen, nicht aus den Puschen gekommen, einen 100% inhouseday verlebt, nichts gescheites gelesen, nichts verfasst, keine Pläne geschmiedet, nicht die Alltagsaufgaben erledigt, Kopfschmerzen, keine ausgewogene Ernährung praktiziert, den Frühsport ohne mich abgekanzelt, hier und da die Äuglein geöffnet, was angefangen - um es nicht zuende zu führen, an Projekte gedacht, die hätten angegangen werden sollen (zumindest mal durchdacht) - aber auch das ist nichts geworden.
Ein typischer erster Urlaubstag also.
Aber: Erfahrungsgemäß ist das völlig normal. Der Druck aus den vergangenen Wochen ist weg. Es ist Leerlaufzeit - aber Körper und Geist sind noch auf Hochbetrieb eingestellt. Dass dann die Freizeit einem sinnlos erscheint, ist m.E. verständlich. Wieso solle sich bewegt werden, wenn das Ziel der Bewegung kein wichtiges ist, wenn die gestellte Aufgabe genausogut morgen erledigt werden kann, wenn der Urlaub also noch vor einem liegt, die Zeit nicht drängt, einen diverse Umstände ohnehin zu lokaler Verhaftung zwingen (z.B. Geld, Freunde, soziale Verpflichtungen) ...
Kurzum, es nervt, aber ist wohl in Ordnung so. Allein, dass hier ein neuer Eintrag ensteht, ist schon viel wert - vielleicht das Sinnvollste, was an diesem Tag passiert.

Aber: Zumindest einen Versuch des Denkens wagen. Was wäre so wenig komplex, dass es hier, bevor die Kopfschmerzen mit den Rückenschmerzen in einer Fequenz eine unheilvolle Allianz bilden, behandelt werden kann?

Artikel in der FAS über einen Soziologen gelesen, der sich für drei Jahre in einer Höhle verkriecht, um im Selbststudium Einsamkeit, Emotionalität, fehlendes Tageslicht - und vor allem Input auszuhalten und für sich zu analysieren. Klar ist, der spinnt. Klar ist aber auch: Mut hat er, und überzeugt ist er. Bei allen Facetten dieses Projekts lässt vor allem der Zeitverlust mannigfaltige Deutungen zu. Wir sind ja auf der Suche nach Sinn, Glück, Zufriedenheit. und die hängen zweifelsfrei mit der Zeit zusammen. Denn in erster Linie sind sie endlich. Genau genommen sind sie sogar von sehr kurzer Dauer. Vermutlich wäre der Mensch gar nicht in der Lage, über einen längeren Zeitraum Glück usw. zu erleben, ohne daran kaputt zu gehen. Das soll hier nicht diskutiert werden. Eher die Frage, ob denn Glück vielleicht ursächlich mit der Vergänglichkeit zusammenhängt ...
Die These: Ja.
Die Antithese: Nein.

Fakt ist, bezogen auf die eigene Lebenswelt, dass Glück immer in Momenten, Augenblicken, maximal in Minuten zu erfahren ist. Zufriedenheit hingegen ist eher eine basale Empfindung, die sich so lange erhalten lässt, bis eine negative Empfindung diese überlagert. Schwieriger ist es in puncto Sinn. Natürlich kann hier keine Antwort gegeben werden - sonst wäre dieser Blog obsolet, die Antwort bekannt, ein Buch würde ercheinen, vielleicht nur eine Schautafel, ein Manifest - und alle hätten die Möglichkeit Ihren Sinn zu suchen und zu finden. Geht nicht, ist nicht machbar - sorry.

Wir hatten uns schon einmal zum Glück - und wie es zu finden ist - verständigt (schreibender Weise, aber die lieben und unerklärlichen Blogger haben den Text nicht auf die Seite gehoben, weshalb er nunirgendwo im Orcus des www herumgeistert.
Egal - es ist vielleicht besser so, wenn es die Veröffentlichung nicht wert war ... ). Und damit kommen wir auch zu einem gewichtigen Punkt bei der Suche nach Zufriedenheit: Es geht hierbei nicht um das bloße Annehmen, das sklavische Sich-Fügen. Es ist eher das Erkennen der Situation (Blogbeitrag weg) und die Analyse (es hat nicht sollen sein, die Technik spinnt) und die Konsequenz (muss eben neu geschrieben werden) und die Lehre (scheint keine Veröffentlichung wert gewesen zu sein, unausgegoren, unfertig, irreführend).
M.E. resultiert diese Einstellung aus einer Art grundsätzlicher Zufriedenheit. Diese wiederum basiert auf einigen Wertvorstellungen, die selbst gesetzt sind und verfolgt werden (hier zum Beispiel, das sich nicht so wichtig nehmen, die Zuschreibung, dass äußere Umstände das eigene Ich nunmal definieren, dass es Ursache und Wirkung immerdar gibt - womit zum einen ein Grund existiert, das dieser Blogtext nicht übernommen wurde - technisch und sozial determiniert - und zum anderen, dass der Beitrag wesentlich besser verfasst werden kann).
Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob diese eben geleistet Darstellung so geschrieben ist, dass ein Leser folgen kann? Nicht etwa, weil es hochtrabend oder komplex beschrieben wäre - sondern schlichtweg unlogisch und zu wenig stringent aufgeschrieben ist. ...
Zurück zur Zufriedenheit: Ein entscheidenter Punkt sind also selbst gesetzte Werte. Die können, an gesellschaftlichen Maßstäben gemessen, auch schlecht und gemeinschaftfeindlich sein (Warum sollte ein Räuber nicht zufrieden sein können?). Entscheidend ist daran, dass sich derjenige seiner Werte bewusst ist. Der Autor geht fest davon aus, dass jeder Mensch einen selbst gesetzten Wertekanon hat, ihn nutzt, den Umständen mehr oder weniger flexibel (leichtfertig) anpasst und sich darauf zurückziehen kann. Nur ist das wichtigste Element hierbei die Bewusstheit. Wer sich der eigenen Werte bewusst ist, sich auf diese jederzeit berufen kann - und sich in dem selbstgesetzten Sinne auch treu bleibt - der hat die Möglichkeit eine Grundzufriedenheit zu erreichen.
Das Spaßige dabei sit ja, dass gleichwohl Gefühle wie Hass, Abscheu, Verachtung, Liebe, Egoismus etc. möglich sind - es hängt einfach nur vom Individuum und den selbst gesetzten Werten und Normen ab.

Wie ist es nun mit dem Glück im Zeitbezug? Da die Werte zeitlos gelten - sie sind ja nur von der Person abhängig, und somit nur so lange gültig, wie es die Person (also hier das selbstbewusste (soz.) Individuum) will. Auf Grundlage dieser Zufriedenheit ist m.E. Glück in Momenten möglich. Ausgelöst werden die durch mehrere Faktoren wie Musik, Literatur, soziale Interaktion etc.

Dazu kommen wir später - der Alltag hat mich justemente wieder.

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Mittwoch, 15. November 2006
Der Glücksmoment ...
Es erwarten, damit rechnen, es zulassen - damit sind Glücksmomente möglich. Nicht das geplante Herbeiführen-Wollen, nicht das Nutzen eigener (niederer) Instinkte verschafft das Gefühl von Freude und Zufriedenheit. Die Glückserfahrung erwischt einen sozusagen "kalt". Deshalb ist eine grundsätzliche Offenheit i.B. auf diese Erfahrung dringend notwendig. Heute war es der Weg vom Bäcker, zurück auf die Arbeitsstelle. Fünf Minuten (inklusive Einkauf) genügten in diesem Fall. Der Wind roch nicht nach Herbst, eher wie die Erinnerung an den Sommerausklang. Der Geruch des Winters war fern wie nie. Ein sanfter Luftstrom, der das Gesicht streichelt, Sonnenstrahlen, die zwar kraftlos, aber leicht wärmend die Haut liebkosen. Einige Menschen in Sichtweite, die nicht hastig von A nach B streben, sondern im Gespräch vertieft, in Gedanken versunken oder einen selbst neugierig anschauend die Welt zu bereichern scheinen. Das genügt. Ein kurzer Moment nur, aber emotional stark. Gleichwohl ist das Wissen präsent, dass dieser Augenblick jede Sekunde vorbei sein kann. Und vielleicht gerade deshalb wird der Moment so genossen. Der Versuch, dies in Erinnerung zu behalten, diesen Augenblick im Gedächtnis zu bannen, bei Bedarf vielleicht wieder hervorzuholen. So wie jetzt. Die Welt ist schön.

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Dienstag, 14. November 2006
Knapp vorbei ...
Pünktlichkeit ist eine Zier. Wer sich zu spät aufmacht, muss schneller sein. Binsenweisheiten? Klar, aber welch' tragische Komponente hat dies, sofern der Zeitverlust mit dem Automobil ausgeglichen werden soll.
Heute: Bin spät dran, nicht zu spät, aber spät. Beim Ausparken noch brav gezirkelt, einen sanftmütigen Blick auf den Einparklegastheniker geworfen, der dem Vorwärtsdrang entgegen steht. Gewartet. Gedacht: Du blöde Sau. Aber gewartet. Dann also alle Pferde aus der Koppel gelassen - keine Ahnung welche Anzahl PS in dem Mobil zur Verfügung stehen. Aber es sind wohl einige. Diese Kurve etwas spitz genommen, jene Geschwindigkeitsbeschränkung ignoriert - und weiter. Dann verlässt einen kurz der Orientierungssinn, links, rechts, geradeaus? Also rechts eingebogen, was sich nach 20 Metern als falsch herausstellte. Wenden kostet Zeit. Alle Wege führen nach Rom, also weiter. Da steht also dieser ehrbare Müllmann, erledigt seine Arbeit. Zwischen Müllauto und Bürgersteigkante ist genügend Platz - also weiter. Vielleicht mit zehn Stundenkilometern? Vielleicht 15? Und der Müllmann kommt justamente in dem Augenblick hinter seinem orangenen Gefährt vor, als der Terminbesorgte das Heck des Müllautos passierte. Vollbremsung, schreckensgeweitete Müllmannaugen, ein beherzter Sprung zurück. Nichts passiert. Aber wie knapp war das! Und nur wegen eines Termins, bei dem sich herausstellt, dass fünf Minuten keine Rolle spielen. So ein Mist. Was da hätte passieren können. Nicht unken.
Aber lehrreich ist es: Es lohnt nicht Zeit mit Gewalt aufholen zu wollen. Klingt wie eine Binsenweisheit. Blöd, wenn die nicht bedacht werden. Arsch, echt.

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Montag, 13. November 2006
So wird das nichts ...
Ich bin so abgrundtief müde, dass ich heute nix an diesem Blog machen kann.
Das Leben lässt ab und an zu wünschen übrig.

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Samstag, 11. November 2006
XIII
Er ward geboren.

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