Samstag, 15. März 2008
Es gibt keine Steigerung mehr ...
Die klugen, runzeligen Alten haben die strebsame, eingecremte Jugend immer ermahnt: Seid bescheiden, lobt euch nicht selbst, es kommen auch wieder schlechte Zeiten. Aber da unsere Lieblingsfreunde aus den Hochglanzratgeberbüchern zurzeit einen gegensätzlichen Trend vorgeben, versuchen wir es heute mal so rum. Die wollen, dass die Erfolge gefeiert und betrommelt werden. Das sei so was von wichtig für das eigene Karma, dass jeder nicht in die Welt posaunte Erfolg mindestens ebenso schlimm ist, wie in sich hineingefressener Ärger. Also los.
Hey Leute, die Frau Merkel war bei uns. Ja, das ist die Chefin. Gut, der Köhler Horst war auch schon da. Und der Schröder Gerhard auch. Aber mit dem Besuch der Kanzlerin in der Zivischule Schleife öffnet sich eine neue Dimension für uns: Jetzt gibt es bald nur noch Blumen und Frieden. Gut, etwas kriegerischer könnte es noch einige Jahre sein, weil die Frau Bundeskanzlerin selbst zur Waffe greifen würde, wenn sie die ober-ober-ober-theoretische Wahl zwischen Zividienst oder Uniform hätte. Aber hey, das Ziel ist klar: Weltfrieden. Und in den Geschichtsbüchern wird stehen: Anno 2008 sagte die Bundeskanzlerin im lausitzischen Schleife, dass Zivildienst echt nicht übel ist. Na ja, oder so ähnlich.
Auch in die Geschichte eingehen wird das Parkseminar in Rothenburg. Wer das nicht verfolgt hat, denkt vielleicht, da haben einige Alternative in Juchtenmänteln und mit dreckigen Fingernägeln auf ’ner Parkbank gesessen und seminariert. Nix da, da wurde angepackt. Die Erfolgsmeldung: 40 Bäume weniger. Weil so ein Naturpark einfach unbelehrbar ist und wächst, wie er will, musste halt mal ’ne Lehrstunde mit der Säge anberaumt werden. Das ist mal ein echter Erfolg. Jetzt gibt es wieder freie Sicht für freie Bürger im Stadtpark. Super.
Und dann der Findlingspark. Der hat bald einen Waldsee. So heißt er jedenfalls. Denn zumindest in der Saison 2007 war da noch kein Wald. Aber es ist wie so oft: Auf die Sichtweise und den Standpunkt kommt es an. Wer sich nämlich vorsichtig zwischen die Kakteen, Heidekräuter und Jungbäume legt, kann mit etwas Fantasie den Wald spüren, der da in 100 Jahren steht. Es geht uns also besser als je zuvor. Bescheiden müssen wir Lausitzer nicht sein – wir sind ganz weit oben. Und die Aussicht ist herrlich.

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