Samstag, 16. Dezember 2006
Primitiver Spaß und Selbstdarsteller ...
Ja, es war grandios. Ja, es verursacht Herzklopfen. Ja, es ist allumfassender Unsinn. Wer ein geländegängiges Fahrzeug hat, wird unweigerlich dessen Andersartigkeit kennenlernen wollen. Ist natürlich, nachvollziehbar, rational. Doch in einer Welt voller ausgebauter Straßen ist das nicht so einfach - es führt nur der Weg in die Illegalität zu angedeutetem Testerlebnis. Außer, ja außer die Lausitz ist die Heimat des Geländewagenbesitzers. Denn dann hat dieser viel Land, wenig Menschen - und sogar die eine oder andere mesolegale Teststrecke, will heißen: Ihr dürft da fahren, aber auf eigene Verantwortung. Das ist äußerst sinnvoll, denn so überlegt auch der Ungestümste, ob er allein und verlassen in irgendeiner tiefen Senke stecken bleiben oder bei einem galanten Überschlag sein Mobil verlieren will.
Und wirklich, es ist toll. Dieser Dreck (außen), diese Kraft (Auto), diese Macht (Fahrer) - herrlich. Schier unüberwindbare Hindernisse können diese Dinger bewältigen. Der Autor erinnert sich noch an seine Bundeswehrzeit, als er einen geländegängigen Krankenwagen gefahren hat - und eine entsprechende Fahrschulausbildung genießen durfte (danke BW). Es gibt einige Regeln, die dann auf der Strecke wieder ins Bewusstsein gelangen (nur Kuppeln, wenn der Gang gewechselt wird / schnell hoch, langsam runter / das Auto hat physikalische Grenzen). Also zuerst eine kleine Rundfahrt auf dem bislang unbekannten Gelände bei einer Kiesgrube nahe Boxberg/O.L. - faszinierende Hügel, Sand, Schlamm, Pfützen - und das alles nicht wie auf dem Zufahrtsweg einer Gartensparte: Pfützen sind hier auch mal 50 Zentimeter tief und 20 Meter lang, der Schlamm ist 30 Zentimeter tief (wenn die Räder zur Hälfte weg sind, gibt es wirklich ein Problem), der Sand ist tückisch, bringt selbst das Geländefahrzeug schneller zum Stehen, als zu vermuten, die Hügel sind so steil ansteigend, mit so fiesen Kuppen und eingebauten Kuhlen ausgestattet, dass das Verhängnis beständig an der Türe klopft. Also ruhig Blut, erst mal eine Runde, quasi neben der Strecke. Die Gedanken wechseln zwischen machbar und hey, unmöglich. Stück für Stück wird sich mehr zugetraut, das Automobil ist hier tatsächlich erfahrbar. Und die Resultate unglaublich. Die Front jagt hoch in den Himmel, das Erreichen des Abgrunds ist nur abzuschätzen. Der Unsicherheitsfaktor: Wie lang ist der Geländewagen, der Radstand? Denn zwischen den Aufwerfungen mit Front- und Heckschürze hängen bleiben, ist nicht unmöglich. Und dann die Wasserlöcher. Es ist ja nicht zu sehen, wie tief sie sind, was da so alles drinnen ist - zu viel Schwung ist gefährlich (das Auto schwimmt auf, Kontrollverlust), zu wenig Schwung ist gefährlich (Steckenbleiben). Auch die Neigung ist schwer abzuschätzen, denn Wasser bildet nun mal eine spiegelebene Fläche (umkippen ist bei entsprechendem Untergrund also durchaus möglich. Langsames Herantasten, erst entlang der Ränder (das Kipprisiko ist das geringste Übel). Hoch, runter, schüttel, ächts - ja, der Geländewagen gibt tatsächlich Zeichen, trotz seiner robusten Konstruktion. Und immer die bange Frage, wie ist es denn um den Wagen bestellt? Ist er nun ein Geländewagen, der innerlich über die Strecke lacht, oder ist er schon bei diesem Spiel an den Grenzen (es fahren ja genug Spielzeuggeländewagen herum). Die bewegendste Frage auf der Strecke: Was, wenn das Mobil stecken bleibt? Es wäre natürlich klüger, nicht alleine, nicht nur mit einem Mobil auf die Strecke zu gehen - der geländewagenmobile Kamerad könnte den unfreiwillig Gestoppten rausziehen. Aber woher einen Gesinnungsgenossen nehmen? Also alleine. Hat natürlich einen zusätzlichen Reiz und verhindert zudem, ein (zu) hohes Risiko einzugehen. Der Spaß ist riesig - auch wenn diese Aktion im Großen und Ganzen zweckfrei ist. Denn in Sachen Fahrzeugbeherrschung, Fahrsicherheit, Reaktionstest etc. ist so ein Ritt nicht mit den Anforderungen auf der Straße in Extremsituationen zu vergleichen. Wozu überhaupt ein solches Mobil? Klar, die Übersicht im Straßenverkehr ist genial. Zudem wird der Geländewagenfahrer zu einem ruhigen und besonnenen Fahrzeugführer - es geht ja auch nicht anders. Aber letztlich ist so ein Gerät Quatsch, denn der größte Pluspunkt, Höhe und daraus resultierende Übersicht bieten auch andere Fahrzeuge. Und die sind in Sachen Fahrsicherheit auf der Straße um einiges besser. Und doch, wenn etwas so viel Freude und Glücksgefühle verursachen kann, ist es wohl nicht schlecht. Etwas Unvernunft, oder etwas kontrolliert-begrenzte Unvernunft macht das Leben erst lebenswert.

Beim Schreiben dieser Erfahrung drängt sich nun - es ist nicht das erste Mal - der Gedanke auf, warum wird das hier ins Netz gepickert? Was in aller Welt sind Blogger? Irgendwelche Menschen, die keine Freunde haben, denen sie ihr Leben und ihre Gedanken mitteilen können? Menschen, die glauben, wichtiges Wissen mitteilen zu müssen? Menschen mit einer Sendung, einem Auftrag, einer Mission? Einige Blogs lesen sich so - und selbst? Hofft der Autor, dass seine Zeilen gelesen werden? Will er etwas erreichen? Und wenn nicht, was soll das dann?

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